Lebendige Nacht: Wildtiere in der nächtlichen Stadtlandschaft
Das nächtliche Kunstlicht setzt die Artenvielfalt unter Druck – mehr nächtliche Dunkelheit wäre auch für Menschen besser!
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Jung-Igel in der Nacht. Bild: swild.ch

Die nächtliche Artenvielfalt im Siedlungsraum der Schweiz ist beeindruckend. Doch zunehmendes Kunstlicht gefährdet viele nachtaktive Wildtiere wie Igel, Fuchs und Co. Im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) hat die Forschungsgemeinschaft SWILD zusammen mit der Eidg. Forschungsanstalt WSL untersucht, wie die Bedürfnisse von Menschen und Wildtieren besser vereinbar sind. Das Projekt in Lausanne, St. Gallen und Zürich zeigt: Eine Reduktion von Lichtemissionen würde nicht nur der Biodiversität, sondern auch der Lebensqualität der Menschen nützen.

Künstliches Licht nimmt zu – Wildtiere leiden

Mit der Ausdehnung der Siedlungsräume und Infrastrukturen für Industrie und Mobilität steigt die künstliche Beleuchtung seit Jahren kontinuierlich. Viele einheimische Wildtiere sind nachtaktiv und auf Dunkelheit angewiesen. Während die negativen Auswirkungen von zu viel Licht auf die menschliche Gesundheit inzwischen gut dokumentiert sind, sei die Beeinträchtigung von Wildtieren bisher nur ansatzweise erforscht worden, heisst es in der Studie.

Die Untersuchung konzentrierte sich auf zwei ökologisch wichtige Gruppen: Fledermäuse und Kleinsäugetiere. Die Ergebnisse sind eindeutig: In stark beleuchteten Gebieten der Städte fehlen lichtsensible Arten wie Langohrfledermäuse fast vollständig. Selbst lichttolerante Arten wie Zwergfledermäuse werden ab einer bestimmten Lichtintensität in ihrer Raumnutzung eingeschränkt. Kleinsäuger wie Spitzmäuse und Mäuse ziehen sich in dunkle Nischen zurück – geschützt durch Büsche, Hecken, Stauden und hohe Wiesen.

Bevölkerung grundsätzlich positiv eingestellt

Die Umfrage zeigt: Knapp die Hälfte der Befragten findet, es gebe zu viel Kunstlicht in den Städten. Massnahmen zur Reduktion werden grundsätzlich positiv aufgenommen. Allerdings variiert die Akzeptanz je nach Massnahme. Bewegungsmelder werden besser akzeptiert als das vollständige nächtliche Abschalten von Strassenleuchten. Viele sehen die Verantwortung vor allem bei Gemeinden und Kantonen und unterschätzen die eigenen Handlungsmöglichkeiten als Privatpersonen.

Handlungsbedarf in privatem und öffentlichem Raum

Das Projekt begründet, warum bereits heute Beleuchtungen so weit wie möglich begrenzt werden sollten. Das BAFU hat in einem 7-Punkte-Plan bereits klare Handlungsempfehlungen formuliert. Mit deren Umsetzung hapert es allerdings. Doch gehen sie davon aus: Eine weitere Reduktion von nächtlichem Kunstlicht und eine Förderung von Vegetationsstrukturen in Siedlungsräumen würden die Lebensraumqualität für Mensch und Tier spürbar verbessern.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss: Es braucht Sensibilisierung, planerische Instrumente und eine gemeinsame Verantwortung von Privatpersonen, Gemeinden und Kantonen.

Nacht als wertvoller Lebensraum

Die Studie unterstreicht: Siedlungsräume sind nicht nur Lebensraum für den Menschen, sondern auch für eine reiche nachtaktive Fauna. Eine intelligente Reduktion von Kunstlicht könne Konflikte minimieren und gleichzeitig die Biodiversität fördern. «Viele nachtaktive Wildtiere sind auf Dunkelheit angewiesen, um zu überleben», betonen die Forschenden. Mit gezielten Massnahmen lasse sich ein besseres Zusammenleben von Mensch und Wildtier in der Stadt erreichen – zum Nutzen aller.

 

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