Der renommierte Epidemiologe und Statistiker John P. A. Ioannidis zieht im Interview mit «Infosperber» eine kritische Bilanz der Corona-Pandemie. Während der Krise seien seriöse Wissenschaftler gegenüber Politikern, Medien und Pseudoexperten mit schwachem Leistungsausweis klar unterlegen gewesen. Viele Experten, die plötzlich im Rampenlicht standen, hätten nur begrenzte wissenschaftliche Qualifikationen gehabt und seien von moralischer Panik oder widersprüchlichen Absichten getrieben worden.
Ioannidis gesteht eigene Fehler ein: Er habe die Absurdität der «Null-Covid»-Strategie zu spät und nicht entschlossen genug bekämpft. Auch das Maskentragen in der Öffentlichkeit habe er anfangs überschätzt, ebenso wie den Nutzen von Massentests. Die Meta-Analyse zu Hydroxychloroquin habe er zwar geleitet, doch es sei ihm nicht gelungen, die Öffentlichkeit von unwirksamen Behandlungen abzubringen.
Der Professor der Stanford University bezeichnetdie Pandemie eine «Enzyklopädie von Fehlern». Lockdowns hätten weltweit enorme Kollateralschäden verursacht – von verzögerten Behandlungen über psychische Belastungen bis hin zu zusätzlichen Todesfällen in ärmeren Ländern. Die Sterblichkeitsrate von Covid-19 habe er in frühen Schätzungen eher überschätzt.Ioannidis plädiert dafür, die Unabhängigkeit der Wissenschaft vor Einmischung durch Medien, Politiker, Lobbyisten und Big Tech zu schützen. Wissenschaft dürfe nicht durch Unterschriftensammlungen wie die Great Barrington Declaration oder das John Snow Memorandum entschieden werden, sondern müsse differenziert und selbstkorrigierend bleiben.Der Film «Der Hype – 2020 Revisited» von Mike Wyniger gebe einen fairen Einblick, auch wenn er keine vollständige wissenschaftliche Dokumentation sei. Ioannidis warnt davor, die Pandemie weiterhin zu hypen.