Solidarität in Athen: Kampf um selbstverwaltetes Quartier
Autonome Gemeinschaft trotzt Räumungsplänen

In der griechischen Hauptstadt droht die grösste selbstverwaltete Hausbesetzung Europas zu verschwinden. Im Viertel Prosfygika leben über 400 Menschen aus mehr als 27 Ländern in acht Häuserblocks auf 3,5 Hektar. Die Siedlung, 1933 für Flüchtlinge aus dem griechisch-türkischen Krieg errichtet, ist seit Jahrzehnten autonom organisiert. 22 Gruppen kümmern sich um Gesundheit, Frauenfragen, Kinderbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit. Generalversammlung und Frauenrat leiten die Gemeinschaft.

Die Region Attika und die Regierung planen ein Sanierungsprojekt im Wert von 15 Millionen Euro mit EU-Geldern. Die Bewohner befürchten gewaltsame Räumungen ohne echte Beteiligung. Frühere Versuche, darunter 2016, scheiterten am Widerstand der Anwohner. Nun organisiert die Gemeinschaft Demonstrationen, Flyeraktionen und Plakatierungen. Am 18. April 2026 fand die dritte grosse Kundgebung statt. Seit Februar hält Aristotelis Chantzis einen Hungerstreik.

Die Bewohner sehen in Prosfygika nicht nur ein Zuhause, sondern ein lebendiges Beispiel für kollektives Zusammenleben. «Unsere gemeinsame Sprache ist Widerstand», steht an den Wänden. Sie fordern den Erhalt der Siedlung und eine Öffnung für breitere gesellschaftliche Unterstützung.