Was tust du für den Frieden / 4
Wir fragten unsere LeserInnen: Was tust du für den Frieden? Uns erreichten viele kreative und sehr individuelle Antworten. Unser Eindruck: Derzeit gibt es vielleicht keine Friedensbewegung, bei der man einfach mitmachen kann. Aber dennoch wollen viele aktiv werden - im Äusseren und im Inneren. Wir freuen uns, wenn wir Ihnen hier mehr Sichtbarkeit geben können.
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European Peace Project in Dortmund am 9. Mai

Jeden Tag ein Stückchen mehr Wirklichkeit

Am 9. Mai, dem Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs, haben wir in Dortmund auf dem Platz von Hiroshima nun das Manifest des European Peace Projects vorgelesen. Hier ein Auszug aus dem Text:

Wir, die Bürger Europas, nehmen darum unsere Geschicke und unsere Geschichte selbst in die Hand!
Wir treten für eine neue Europäische Sicherheitsarchitektur mit Russland ein!
Wir strecken den Bürgerinnen und Bürgern der Ukraine und Russlands die Hand aus. Ihr gehört zur europäischen Familie!
Wir, die Bürger Europas, erklären hiermit: Wir sind nicht im Krieg und wir wollen keinen Krieg, weder mit Russland noch mit irgendjemandem sonst!
Wir machen bei den zunehmend absurderen Kriegsspielen nicht mit und wir werden jeden Tag mehr!
Wir machen aus unseren Männern und Söhnen keine Soldaten, aus unseren Töchtern keine Schwestern im Lazarett und aus unseren Ländern keine Schlachtfelder!
Wir werden nicht zusehen, wie unsere Zukunft und die unserer Kinder auf dem Altar der Machtpolitik geopfert wird und das schöne Europa sich selbst zerstört!
Es lebe Europa, es lebe der Friede, es lebe die Freiheit!»

Nach der Verlesung des Manifests sind wir zum Dortmunder Friedensplatz gezogen und haben in einer Schweigeminute der Opfer der Kriege gedacht. Abgeschlossen haben wir mit dem Lied, das die tiefe Übezeugung ausdrückt, das Frieden wirklich möglich ist: «We shall live in peace some day».

Wir wollen gemeinsam dafür arbeiten, dass Frieden nicht irgendwann, in weiter Ferne, sondern bald und jeden Tag ein Stückchen mehr Wirklichkeit werden kann!

Margit Geilenbrügge, Dortmund


Nektar in Rheinfelden

Hier in Rheinfelden ist ein Verein entstanden: Verein Nektar. Ursprünglich war er gedacht, um den Bioladen Nektar zu unterstützen. Doch zusätzlich entstehen hier im Kleinen neue Gedanken und Initiativen für Frieden, Achtsamkeit und Liebe in und für die Welt.

Rosemarie Henz, Rheinfelden


European Peace Project

Auf der Suche im Aussen stiess ich auf den Flyer der «Schweizerische Friedensbewegung»: Ja zum Frieden, Nein zur NATO. Anlässlich des «European Peace Projektes» am 9. Mai 25 stellte ich mich mit dieser Sprech-Performance auf den Postplatz an meinem Wohnort Arlesheim, las den Text öffentlich und verteilte den Passanten eine weisse Rose mit dem Flyer. Dass es gerade der Geburtstag von Sophie Scholl war, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Lokale Verteil-Aktionen folgen: Auf dem Gemüsemarkt oder etwas mutiger vor dem Grossmünster in Zürich. Zweimal entschloss ich mich für einen Friedens-Stand. Die Gemeinde verweigerte mir einen Platz. Ein Fairtrade-Laden überlies mir vor dem Geschäft einen Platz. Ich sammelte Unterschriften gegen einen NATO-Beitritt. Es entstanden Gespräche, Eindrücke und Bilder.

Grundsätzlich bin ich für überschaubare Aktionen vor Ort mit dem Blick und dem Bewusstsein fürs Ganze. Dabei erlebte ich es hilfreich, eine grössere Organisation wie die «Schweizerische Friedensbewegung» hinter mir zu wissen. Massenkundgebungen machen mich zurückhaltend.

Ruth Huser, Arlesheim


Persönlicher Friedensvertrag

Ich bin Beziehungscoach und habe in einem meiner Monatsimpulse vor etwa einem halben Jahr den Vorschlag gemacht, als Beitrag zum Frieden auf dieser Welt mit sich selbst einen Friedensvertrag abzuschliessen.

Mein persönlicher Friedensvertrag

Ich wähle Liebe und Frieden als höchste Werte in meinem Leben. Ich verpflichte mich dazu, mein Bestes zu geben, um tagtäglich in mir selbst und in meinen Beziehungen Liebe und Frieden zu erschaffen.

Friede mit mir

Was den inneren Frieden mit mir selbst bedroht, sind Perfektionismus, Selbstverurteilung, eine Opferhaltung und das Unterdrücken von Angst, Wut und anderen Emotionen. Wann immer ich realisiere, dass ich mich selbst abwerte, antreibe, vergleiche, auf einen Sockel setze oder dass ich in einer Opferhaltung oder einem Groll feststecke, atme ich tief durch und anerkenne mir, dass ich es merke.

Dann wähle ich, mich stattdessen mit meinem Herzen zu verbinden und mit Verständnis auf mich selbst zu schauen. Ich nehme meine Gefühle wie Wut, Scham, Schmerz, Angst oder Trauer im Körper achtsam wahr und entscheide mich, wohlwollend mit ihnen präsent zu sein, bis ich Beruhigung und Entspannung in mir fühle. So kann wieder Friede einkehren.

Friede mit anderen

Was den Frieden mit anderen bedroht – und damit natürlich genauso meinen eigenen, sind Bewertung, Recht-haben-Wollen, unbewusste Erwartungen, Vorwurf, Schuldzuweisung, Überheblichkeit, Aggressivität.

Wann immer ich realisiere, dass ich mich aus einer dieser Haltungen heraus auf mein Gegenüber beziehe, halte ich inne und erinnere mich, dass sie dem Frieden nicht dienlich sind. Ich nehme meine Aufmerksamkeit von der anderen Person weg, nach innen zu mir, und achte auf die Emotionen in meinem Körper. Ich entscheide mich, wohlwollend mit ihnen präsent zu sein, bis ich Beruhigung und Entspannung in mir fühle.

Was für Erwartungen und Bewertungen haben mich soeben gesteuert und was für Bedürfnisse liegen unter meiner Frustration? Was würde jetzt die Liebe sagen oder tun? Ich lasse mich von diesen Fragen in mein Herz führen und von da in einen frischen Kontakt mit meinem Gegenüber, einen möglichst friedlichen.

Alexander Lanz, Worb

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