Westjordanland: Warum die Scheidungsraten explodieren
Im Westjordanland steigen die Scheidungsraten dramatisch – eine Folge der eskalierenden Wirtschaftskrise, schrumpfender Jobchancen und israelischer Bewegungseinschränkungen unter der Besatzung.

Laut Palästinensischem Zentralbüro für Statistik stieg die Zahl der Scheidungen in Westjordanland und Gaza von 2012 bis 2022 um 45 %, im Westjordanland allein um 41 %. Scharia-Gerichte melden, dass zwischen 2018 und 2023 etwa die Hälfte der Verlobungen vor der Hochzeit endete. 2025 verzeichnete Qalqilya mit 27,6 % die höchste Scheidungsrate seit vier Jahren.

Die Krise verschärfte sich nach dem 7. Oktober 2023: Arbeitserlaubnisse in Israel wurden widerrufen, Gehälter gekürzt, Checkpoints erschweren Pendeln und Zusammenleben. Betroffene berichten von finanzieller Not (z. B. Monatseinkommen von 650 USD bei Lebenshaltungskosten von 900–1500 USD in Ramallah), emotionaler Distanz, Streit und Gewalt. Paare leben getrennt, Ehen zerbrechen – Frauen initiieren oft „Khula“-Scheidungen. Experten wie Familientherapeut Naim Najm nennen gegenseitiges Verständnis als Schlüssel, doch strukturelle Belastungen durch Besatzung und Wirtschaftskollaps dominieren.

Die Zahl der Eheschließungen sank 2023 um 11,7 %, während Scheidungen nur leicht zurückgingen. Berater betonen: Die Besatzung zerstört nicht nur Land, sondern auch Familienbande – ein stiller Kollateralschaden der anhaltenden Kontrolle.