Beim Referendum in Island über die Wiederaufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der EU haben sich die Gegner knapp durchgesetzt. Kurz vor Abschluss der Auszählungen lag das Nein-Lager am Sonntag laut Online-Resultaten bei 51,8 Prozent, die Befürworter kamen auf 48,2 Prozent. Die britische «Financial Times» meldete bereits den Sieg der EU-Gegner.
Der CDU-Europaabgeordnete David McAllister respektierte das Ergebnis: «Die Menschen in Island haben sich mit einer knappen Mehrheit gegen die Wiederaufnahme der Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union entschieden. Diese souveräne demokratische Entscheidung ist zu respektieren.» An den engen Beziehungen zwischen Island und der EU ändere das nichts.
Die Entscheidung gilt als Rückschlag für die Erweiterungspläne der EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen. Erweiterungskommissarin Marta Kos hatte noch kurz zuvor 2026 als mögliches Rekordjahr für die EU-Erweiterung bezeichnet. Von offizieller EU-Seite blieb es nach dem Votum zunächst still.Island hatte die Beitrittsgespräche nach der Finanzkrise 2009 aufgenommen, 2013 ausgesetzt und 2015 beendet. Hauptstreitpunkte waren und blieben die Fischereirechte sowie Fragen der Souveränität. Das Land ist bereits eng mit der EU verbunden, etwa über den EWR und den Schengen-Raum.