Litauens Regierung stellt ihre China-Politik offenbar neu auf. Laut einem Kommentar von Arnaud Bertrand räumt die Premierministerin ein, dass die Entscheidung von 2021, ein „taiwanisches“ Vertretungsbüro zu eröffnen, ein strategischer Fehler gewesen sei. Die Beziehungen zu Peking seien dadurch praktisch abgebrochen, nun beginne ein komplizierter Prozess der Normalisierung.
Der Autor argumentiert, Litauen habe gehofft, Vorreiter einer breiteren westlichen Entkopplung von China zu werden und geopolitische Vorteile zu gewinnen. Stattdessen habe das Land die wirtschaftlichen Folgen unterschätzt: China habe nicht nur direkte Importe gestoppt, sondern auch Lieferketten innerhalb der EU belastet, da viele litauische Komponenten blockiert worden seien.
Zudem sei der Schritt innenpolitisch umstritten gewesen. Laut zitierten Umfragen habe nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung die Konfrontation unterstützt. Gleichzeitig sei eine umfassende Abkehr des Westens von China ausgeblieben, wodurch Litauen isoliert dagestanden habe.
Die Regierung wolle nun die Beziehungen zu Peking wieder verbessern – ein Kurswechsel, den Bertrand als Signal deutet, dass geopolitische Symbolpolitik für kleinere Staaten erhebliche Risiken birgt.