Was andere als Krankheitssymptome definieren und mit allen Mitteln wegtherapieren wollen, sieht Peter Zimmermann – zumindest teilweise – als sinnvolles biologisches Sonderprogramm des Körpers – ausgelöst durch einen unerwarteten seelischen Konflikt. Der Arzt aus Brandenburg beschäftigt sich seit seiner Jugend mit den Erkenntnissen der «Neuen Medizin» nach Ryke Geerd Hamer. Die ideologische und politische Komponente der sogenannten «Germanischen Neuen Medizin» lehnt er jedoch entschieden ab. Stattdessen nutzt er die biologisch-medizinischen Prinzipien pragmatisch und situationsbezogen – ergänzt durch klassische schulmedizinische Methoden. Mit Erfolg, wie er berichtet.
Zeitpunkt: Herr Zimmermann, Sie arbeiten als Arzt mit Elementen der Neuen Medizin nach Dr. Hamer – was nicht viele Kollegen tun. Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen?
Peter Zimmermann: Es war eigentlich umgekehrt. Ich habe mich zuerst mit der Neuen Medizin beschäftigt, noch bevor ich Medizin studiert habe. Das war sogar eine der ausschlaggebenden Motivationen, überhaupt Arzt zu werden. Über das Buch «Die lukrativen Lügen der Wissenschaft» bin ich darauf gestossen. Die darin beschriebenen Zusammenhänge haben mich sehr fasziniert. Ich habe mir dann alle verfügbaren Bücher besorgt, Seminare besucht und Menschen getroffen, die sich mit dem Thema auseinandersetzten. So habe ich mich Schritt für Schritt intensiv damit beschäftigt.
Zeitpunkt: Wie sieht Ihre aktuelle Arbeit als Arzt aus?
Peter Zimmermann: Momentan bin ich in einer Praxis in Brandenburg angestellt. Ich befinde mich in der Facharztausbildung für Allgemeinmedizin, arbeite zusätzlich als Notarzt und plane, in etwa zwei Jahren in Bad Belzig eine eigene Allgemeinpraxis zu eröffnen.
Zeitpunkt: Können Sie unseren Leserinnen und Lesern die grundlegenden Prinzipien der Neuen Medizin möglichst einfach erklären? Und worin liegen die wesentlichen Unterschiede zur Schulmedizin, wie Sie sie an der Universität gelernt haben?
Peter Zimmermann: Der wesentliche Unterschied liegt im Denken. In der Schulmedizin herrscht ein paradigmatisches Denken vor, das stark von der Zellularpathologie Rudolf Virchows geprägt ist. Krankheit wird letztlich als Fehler in der Zelle gesehen – etwas Zufälliges oder Schicksalhaftes, das man finden und korrigieren muss. Dem stellt Hamer ein physiologisches Paradigma gegenüber. Hier geht es nicht um einen Fehler, sondern um einen nachvollziehbaren biologischen Grund. Jede sogenannte Krankheit hat einen Auslöser: einen unerwarteten, hochakuten und dramatischen Konflikt, der ein biologisches Grundbedürfnis verletzt. Findet man diesen Grund, kann man den Verlauf beeinflussen.
Die Neue Medizin beschreibt diesen Prozess in fünf biologischen Naturgesetzen. Das erste Gesetz erklärt, was Hamer «sinnvolles biologisches Sonderprogramm» nannte – keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern eine Notfallreaktion des Organismus.
Zeitpunkt: Können Sie das mit einem Beispiel verdeutlichen?
Peter Zimmermann: Stellen Sie sich ein Reh in einem harten Winter vor, das kaum noch Futter findet. Plötzlich realisiert es: «Ich habe zu wenig, es geht um Leben und Tod.» Daraufhin aktiviert der Körper ein Sonderprogramm: Die Leber steigert die Gluconeogenese, produziert mehr Zucker und stellt Reserven bereit. Das Tier gewinnt Zeit, um weiter nach Nahrung zu suchen.
Beim Menschen läuft dasselbe biologische Programm ab – nur dass unsere «Verhungerungssituationen» oft unbiologisch sind. Nicht der reale Mangel an Essen, sondern vielleicht der Kontostand, drohende Schulden oder der Verlust des Arbeitsplatzes lösen dasselbe Leber-Sonderprogramm aus. Beim Reh löst sich die Situation pragmatisch: Es findet Futter oder stirbt. Beim Menschen kann das Programm über Monate oder Jahre immer wieder aktiviert werden – und genau das führt dann zu dem, was wir als «Krankheit» bezeichnen.
Zeitpunkt: Krankheit wäre also ein Sonderprogramm, das nicht mehr richtig abgeschaltet wird?
Peter Zimmermann: Man kann es so sagen. Oder Krankheit ist ein Teil eines Sonderprogramms, das chronisch wird. Das zweite Naturgesetz beschreibt die typische Zweiphasigkeit: Auf die konfliktaktive Stressphase folgt bei Lösung des Konflikts eine Regenerations- oder Heilungsphase mit Entzündungen, Schwellungen und oft vorübergehender Funktionsminderung.
Bei kurzen Konflikten ist das gut nachvollziehbar. Man hat «die Nase voll», die Situation löst sich, und danach bekommt man vielleicht Schnupfen oder eine Bronchitis. Bei chronischen Verläufen pendelt der Körper zwischen Aktivierung und Teil-Lösung, was zu wiederkehrenden Symptomen oder Tumoren führen kann.
Zeitpunkt: Heilung besteht dann darin, den Konflikt zu lösen und die Regenerationsphase zuzulassen?
Peter Zimmermann: Genau. Es geht um Selbstheilung. Der Körper weiss selbst, was zu tun ist, wenn das Grundbedürfnis nicht mehr ständig bedroht wird. Als Arzt kann ich den Prozess nicht von aussen steuern, sondern höchstens begleiten – indem ich helfe, den Konflikt zu verstehen und neue Perspektiven zu schaffen.
Es gibt archaische existenzielle Bedürfnisse wie Nahrung, Schutz oder Überleben und soziale Bedürfnisse wie Zugehörigkeit oder Leistungsfähigkeit. Wichtig ist: Es handelt sich nicht um rein psychologische Konflikte, sondern um tief biologisch empfundene Bedrohungen.
Zeitpunkt: Wie helfen Sie konkret als Arzt? Nehmen Sie ein Beispiel aus Ihrer Praxis.
Peter Zimmermann: In einer orthopädischen Praxis kam ein junger Mann mit chronischen Knieproblemen. Das MRT zeigte abgenutzten Knorpel auf der Rückseite der Kniescheibe. Der Patient war Leichtathlet, mochte Laufen nie wirklich, hatte sich aber eine Zielzeit für zehn Kilometer gesetzt. Genau nach Erreichen dieser Zeit traten die Schmerzen erstmals auf – in der Lösungsphase des Konflikts «Ich schaffe es nicht, ich bin nicht leistungsfähig genug».
Jede Schwellung und jeder Schmerz warf ihn jedoch sofort wieder in die Konfliktaktivität zurück: «Ich kann nicht mehr trainieren.» Das machte den Zustand chronisch. Zusätzlich verfestigten sich Überzeugungen wie «Arthrose ist unheilbar».
Zeitpunkt: Was haben Sie unternommen?
Peter Zimmermann: Ich habe ihm eine Verhaltensverschreibung gegeben: «Du läufst wieder los – aber erst, wenn das Knie wehtut, hörst du auf. Dein Ziel ist nicht eine bestimmte Strecke, sondern der Schmerz.» Nach zwei Wochen kam er schmerzfrei zurück. Die selbst gesetzte Grenze hatte sich für ihn erübrigt.
Zeitpunkt: Dr. Hamer wurde besonders durch seine Krebs-Theorien bekannt und geriet massiv in die Kritik, weil er Patienten angeblich von notwendigen Therapien abhielt. Wie gehen Sie mit schweren, potenziell tödlichen Erkrankungen um?
Peter Zimmermann: Eine Krebsdiagnose allein aktiviert oft neue Sonderprogramme – sogenannte Zweit- oder Folgekonflikte. Die Angst und die Prognose können weitere Prozesse auslösen. Dennoch gibt es Grenzen des Machbaren. Nicht jeder Konflikt lässt sich einfach «lösen». Verluste, Erbschaftsstreitigkeiten oder tiefe Kindheitstraumata sind komplex.
Zeitpunkt: Kombinieren Sie die Neue Medizin mit klassischen schulmedizinischen Methoden?
Peter Zimmermann: Absolut. Ich mache symptomatische Behandlungen, nutze gerne Neuraltherapie bei Schmerzen und rate bei Bedarf auch zu Operationen oder Chemotherapie. Die Schulmedizin ist hervorragend in der Akut- und Notfallmedizin. Bei chronischen Erkrankungen bietet die Neue Medizin jedoch oft einen zusätzlichen, ursächlichen Blickwinkel.
Ich warne eindringlich vor ideologischer Verhärtung. Es ist gefährlich, Patienten kategorisch von Operationen oder Chemotherapie abzuraten. Es geht mir darum, Wahlmöglichkeiten zu erweitern, nicht einzuschränken.
Zeitpunkt: Dr. Hamer hat seine Lehre später «Germanische Neue Medizin» genannt und mit antisemitischen und verschwörungsideologischen Thesen verknüpft. Wie stehen Sie dazu?
Peter Zimmermann: Ich distanziere mich klar davon. Mich interessiert ausschliesslich die biologisch-medizinische Seite – die fünf Naturgesetze als Erklärungsmodell. Die politische und ideologische Ebene halte ich für unhaltbar und schädlich. Deshalb spreche ich bewusst von «Neuer Medizin» und nicht von «Germanischer». Für mich ist das keine politische Veranstaltung, sondern ein Werkzeug, das Menschen nutzen soll.
Zeitpunkt: Haben Sie dadurch schon Ärger bekommen – etwa Vorwürfe, Sie seien «Nazi» oder Ähnliches?
Peter Zimmermann: Nein, weil ich mich immer klar distanziere. Ich habe durchgehend positive Erfahrungen gemacht. Die Schulmedizin ist in vielen Bereichen grossartig. Die Neue Medizin ergänzt sie wunderbar dort, wo Menschen in chronischen Prozessen festhängen und einen neuen Blick brauchen.
Zeitpunkt: Zum Schluss: Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Peter Zimmermann: Es muss den Menschen nützen und funktionieren. Ob theoretisch alles zusammenpasst, ist zweitrangig. Entscheidend ist: Geht es dem Patienten besser? Hat er mehr Lebensqualität? Beeinflusst das den Verlauf positiv? Dafür setze ich mich ein – als zusätzliche Wahlmöglichkeit neben allem anderen, was die Medizin zu bieten hat.
Zeitpunkt: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Facharztausbildung und der geplanten Praxis in Bad Belzig!