Gestern Abend sah ich mir einige Folgen der letzten Staffel von «Babylon Berlin» an. Darin geht es um die Machtergreifung Hitlers 1933, die Erbarmungslosigkeit und die Brutalität in der Verfolgung jeglicher Opposition und den zwangsläufigen Weg in den Weltkrieg.
Ich habe ihre Wirkung auf mich unterschätzt – oder auch wie gut die Serie gemacht ist – ich war jedenfalls völlig aufgelöst, an Schlaf war nicht zu denken. Die Angst und die Schuld aus dieser Zeit – die meine Eltern ja als Jugendliche selbst erlebt haben und von der sie uns Jahrzehnte lang laut vorschwiegen – sitzen mir anscheinend noch fest in den Knochen.
Im Film kommt ein Dialog zwischen zwei früheren Freundinnen vor, von denen die eine Nazi wurde und die andere im Widerstand ist. «Dein Widerstand kommt aus dem Verstand, Lotte. Es kommt aber aufs Gefühl an, auf die Liebe. Die Liebe ist das Wichtigste. Die Liebe zu Deutschland.»

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Ich liebe viele Dinge, auch meine Heimat. Aber nicht unbedingt den Staat, in dem sie liegt. Staaten sind für mein Herz viel zu sperrig und abstrakt, um sie zu lieben.
Sein Land zu lieben ist ausserdem so, wie wenn man das eigene Team «liebt»: Allzu schnell gesellt sich Konkurrenz hinzu, Vergleich und schliesslich Hass auf die anderen. Liebe ist Grosszügigkeit, Offenheit, Vertrauen. Haltungen wie «America First» dagegen sind Enge, Egoismus und Paranoia – nix von Liebe.
Vielleicht ist es ja gar kein Makel von uns Deutschen, sondern eine wertvolle Erinnerung an diese gewaltige Lernerfahrung, dass die Liebe zum eigenen Land mit einem grossen «Achtung!» versehen ist.
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Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern ist kommenden Sonntag Landtagswahl. Die AfD ist die stärkste Partei, so wie in Sachsen-Anhalt. In meinem Wahlkreis hat sie sogar die absolute Mehrheit. Freunde aus anderen Teilen Deutschlands fragen uns: «Traut ihr euch überhaupt noch vor die Tür?» Und eine dunkelhäutige Besucherin fragte einmal, ob sie gefahrlos durch unser Dorf gehen kann.
Zu beidem: Ja. Was unsere Nachbarn im Einzelnen wählen, weiss ich meistens nicht. Aber als Nazi oder Fremdenhasser empfinde ich niemanden. Wir haben hier eine offenherzige Dorfgemeinschaft angetroffen mit viel gegenseitiger Hilfe und einem Willkommen an uns Zuzügler.
Die Gleichsetzung der AfD mit Nazis, die idiotische Brandmauer, die Verbotsfantasien halte ich allesamt für Schwachsinn. Im Grunde haben sie erst dazu beigetragen, die AfD so stark zu machen. Seit Jahren gibt es in Deutschland keine wirkliche Opposition mehr. In den grossen Spaltungsfragen zogen alle Parteien am gleichen Strang: Flüchtlingskrise, Corona, Ukraine-Krieg. Andersdenkende wurden isoliert und ausgegrenzt, gecancelt. Zweifel, Fragen, anderslautende Meinungen waren verdächtig. So entstand ein schwelender Untergrund.
Eine geschickte junge Partei hat das genutzt und machte sich alle oppositionellen Positionen schnell zueigen. Bis jetzt musste sie ihre Haltung in keiner Regierung unter Beweis stellen. Interessante politische Situation, oder? Zuerst die ganz grosse Einigkeit fast aller Parteien angesichts der äusseren «Feinde». Dann immer wieder eine Partei, die all die kritischen Nachfragen und Anträge im Parlament stellt, die ich und jeder selbst denkende Mensch gerne stellen würde: die AfD. Und mit der darf man nicht reden. Mit ihr darf man nicht abstimmen, ihre Anträge nicht unterstützen. Wer es doch tut, wird ebenfalls zum Nazi erklärt.
Und – oh Wunder! – genau diese Partei wächst und wächst.
Die Regierungs-Demonstrationen gegen die AfD erzeugten eine selbst ernannte Achse des Guten, die aber immer weniger Rückhalt in der Bevölkerung hat. Denn es sind diese ach so Guten – also die geschrumpften ehemaligen Volksparteien – die für Kriegstauglichkeit, massive Aufrüstung, Sanktionen und gegen Verhandlungen mit dem Feind eintreten. All diese Kriegstreiber-Parteien sind für mich nicht mehr wählbar.
Warum wähle ich dann nicht die AfD?
Erst einmal, weil die Migrationsposition der AfD für mich untragbar ist. Ich war Flüchtlingshelferin und habe das Elend und das Trauma vieler Menschen aus Syrien und Afghanistan mitbekommen. Ich war auch viel in Afrika unterwegs und habe die hoffnungslose Situation so vieler junger Menschen erlebt. Wir Europäer haben Krieg und Ausbeutung an viele Orte der Welt getragen. Deren Folgen – die Migranten – jetzt einfach auszugrenzen und zu remigrieren, ist ebenso verfehlt wie blinde Willkommenspolitik, die die Bedenken und Ängste nicht hören wollte.
Aber vor allem wähle ich die AfD nicht, weil ich ihr nicht glaube. Ich glaube ihnen die Friedensabsicht so wenig wie Donald Trump oder Benjamin Netanjahu, mit denen ihre Parteiobersten auch eng kooperieren. Die AfD war die erste, die sich Trumps Forderung nach 5% Rüstungsausgaben zueigen machte. Die AfD war auch die erste, die strenge Corona-Massnahmen forderte – bevor sie zum Gegenteil schwenkte. Zugegeben, jetzt ist sie die einzige, die sich konsequent für Aufklärung einsetzt. Aber: Wie belastbar sind ihre Positionen – oder dreht sich hier das Fähnlein jeweils in den richtigen Oppositionswind?
Und was geschieht, wenn sie an die Macht kommen?
Wahlsieger Siegmund hätte ja ein Friedenszeichen in Sachsen-Anhalt setzen können. In Sangerhausen will der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems eine grosse Produktionsstätte auf 130 Hektar errichten. Elbit liefert einen Grossteil der von Israel in Gaza eingesetzten Drohnen und trägt damit direkte Verantwortung für den Völkermord. Die AfD aber hat nichts gegen die Fabrik.
Nein, sie kriegt meine Stimme nicht. Ich mache mein Kreuz bei einer anderen Partei, die sich für Abrüstung einsetzt – viel Auswahl gibt es ja nicht mehr.