Die Neutralität der Schweiz steht laut Oberst Jacques Baud vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Angesichts globaler Konflikte wie in der Ukraine oder im Nahen Osten sei sie nicht nur politisch unter Druck geraten, sondern habe auch an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Besonders kritisch sieht Baud eine „Neutralität mit variabler Geometrie“, die je nach politischer Lage unterschiedlich ausgelegt wird. Eine solche Haltung untergrabe das Vertrauen internationaler Akteure.
Historisch sei die Neutralität stets mit einer klaren Verpflichtung verbunden gewesen: dem Schutz des eigenen Territoriums vor fremder Nutzung. Daraus entwickelte sich das Konzept der bewaffneten Neutralität. Heute habe die geografische Bedeutung der Schweiz zwar abgenommen, doch der eigentliche Zweck bleibe bestehen: Neutralität müsse anderen dienen, nicht nur dem eigenen Schutz.
Baud plädiert daher für eine aktive Neutralität, die über reine Zurückhaltung hinausgeht. Die Schweiz solle wieder als glaubwürdige Plattform für Friedensgespräche dienen – eine Rolle, die sie während des Kalten Krieges innehatte. Dass Präsident Selenskyj kurz nach Kriegsbeginn 2022 zunächst die Schweiz kontaktierte, später aber andere Länder vorzog, wertet Baud als Warnsignal.
Neutralität dürfe kein symbolisches Element sein, sondern müsse konkret zur Konfliktlösung beitragen. Nur so bleibe sie relevant – für die Schweiz selbst und für die internationale Gemeinschaft.
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