Die Welt bewegt sich wieder gefährlich nahe an einen nuklearen Konflikt heran. Laut dem Autor Jonathan Power zerbröckelt die Architektur der Rüstungskontrolle seit Jahren. Der Austritt der USA aus dem ABM-Vertrag unter Präsident Bush und aus dem INF-Vertrag unter Trump hat zu neuen Raketenstationierungen in Europa geführt und das gegenseitige Abschreckungsgleichgewicht gestört. Moderne Raketenabwehrsysteme wie Aegis verstärken das Misstrauen zusätzlich.
Der Ukraine-Konflikt gilt als gefährlichster Brennpunkt. US-Strategiekommandos warnen, dass die Lage rasch dazu führen könnte, dass eine Seite den nuklearen Einsatz als «kleineres Übel» betrachtet. Historische Fehlalarme zeigen, wie sehr die Menschheit bisher auf Glück angewiesen war. Selbst ein begrenzter Austausch von nur 100 Atomsprengköpfen würde durch massive Russemissionen das globale Klima über Jahrzehnte stören.
Das «Doomsday Clock» der Atomic Scientists steht auf 100 Sekunden vor Mitternacht – der «neuen Normalität». Der Grundsatz von Reagan und Gorbatschow aus dem Jahr 1985, wonach ein Atomkrieg nie gewonnen werden kann und nie geführt werden darf, verliert an Kraft. Experten mahnen, dass Fehlkalkulationen zwischen Kiew, Washington und Moskau katastrophale Folgen haben könnten.