Bekannt ist bereits, dass elektromagnetische Strahlung den inneren Kompass von Zugvögeln durcheinanderbringen kann. Dabei genügen bereits niedrige Intensitäten, die weit unter den für Menschen in Deutschland geltenden ICNIRP-Grenzwerten für Menschen liegen. Diese Ergebnisse der Oldenburger Fledermaus-Studie legen nahe, dass elektromagnetische Verschmutzung das Potenzial hat, das Verhalten von Tieren stärker zu beeinflussen als bisher angenommen.
Das Team um Oliver Lindecke von der Universität Oldenburg hat festgestellt, dass auch Fledermäuse durch Elektrosmog gestört werden. Für ihr Experiment fingen die Forschenden wildlebende Mückenfledermäuse (Pipistrellus pygmaeus) in Lettland und setzten einen Teil der Tiere am folgenden Abend bei Sonnenuntergang für 30 Minuten schwacher Breitbrandstrahlung im Frequenzbereich von 10 Kilohertz bis 300 Megahertz aus. Einige Stunden später ließen sie die Fledermäuse einzeln wieder frei und beobachteten, in welche Richtung sie flogen. Würden sie in die Himmelsrichtung starten, die ihrer natürlichen Zugroute entsprach?
Das Ergebnis: „Während sich die Fledermäuse der Kontrollgruppe normal orientierten, zeigten die Fledermäuse, die zuvor elektromagnetischen Störsignalen ausgesetzt waren, eine zufällige Flugrichtung beim Abflug“, berichten Lindecke und seine Kollegen. Offenbar war der Richtungssinn der Tiere durcheinandergeraten. Frühere Studien des Teams hatten bereits gezeigt, dass Mückenfledermäuse ihren Magnetkompass nach Möglichkeit jeden Tag bei Sonnenuntergang neu justieren. In der aktuellen Studie störten offenbar die künstlichen elektromagnetischen Felder diese Neukalibrierung.
Die Forschenden befürchten, dass zunehmende Urbanisierung und steigende weltweite Verbreitung drahtloser Technik die elektromagnetische Belastung erhöhen und damit das Zugverhalten von Wildtieren künftig zusätzlich beeinflussen könnten:
„Die geltenden Grenzwerte sollen uns Menschen schützen, berücksichtigen aber nicht die Tierwelt“, sagt Lindecke. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Wildtiere schon weit unterhalb dieser Schwellen beeinträchtigt werden können.“