Atomwaffen weltweit abschaffen!

Offener Brief an die japanische Bevölkerung: von besorgten Friedens- und Zivilorganisationen aus den Vereinigten Staaten.

Aktion vor der japanischen Botschaft der USA anlässlich des 78. Jahrestages der Atombombenabwürfe auf Japan. Foto zVg

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Wir, die Unterzeichnenden, die eine Koalition besorgter Friedens- und zivilgesellschaftlicher Organisation in den Vereinigten Staaten vertreten, setzen uns für die weltweite Abschaffung von Atomwaffen ein. Um unser aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck zu bringen, möchten wir uns bei euch für die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki entschuldigen. 

Auch wenn sich unsere Regierung noch nicht offiziell für diese Gräueltaten entschuldigt hat, möchten wir den Überlebenden und Nachkommen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki (Hibakusha) sowie all jenen, die von den US-Atombombentests im Pazifik betroffen waren und jahrzehntelang grosse seelische und körperliche Qualen ertragen mussten, unser tiefstes Beileid aussprechen. Hoffentlich werden sowohl die betroffene Generation als auch die nachfolgenden von dieser schrecklichen Tat heilen und mögen die Nachfolger diese Gräueltat niemals verstummen und sich weiterhin für die Gerechtigkeit einsetzen. Wir werden immer auf eurer Seite sein.

Wir möchten auch unsere Solidarität mit den Menschen zeigen, die von der noch immer andauernden Nachwirkungen der Katastrophe in Fukushima Daiichi vom 11. März 2011 betroffen sind. 

Wir stehen hinter den zahlreichen mutigen Fukushima-Kläger des 311 Children’s Thyroid Cancer Trial, die die Tokyo Electric Power Company (TEPCO) verklagt haben, um sie für den Schilddrüsenkrebs von Jugendlichen zur Verantwortung zu ziehen, welches eine der bekannten schädlichen Auswirkungen der Strahlenbelastung ist.

Nach dem TPNW gleicht sich das Vertrauen auf den nuklearen Schutzschirm der nuklear bewaffneten Staaten einer Verschwörung zu völkerrechtlichen Handlungen.

Die Nutzung der Nukleartechnologie – ob militärisch oder zivil – ist mit enormen Risiken und unabsehbaren Folgen verbunden; sie untergräbt die Demokratie, ist wirtschaftlich nicht tragfähig oder nachhaltig und stellt keine Lösung für die Klimakrise dar. Eine wirksame weltweite nukleare Abrüstung wird nicht möglich sein, solange wir die kommerzielle Nutzung von Plutonium und hochangereichertem Uran weiterhin zulassen.

Wir fordern Japan und die TEPCO auf, eine andere Problemlösung für die mehr als 1,3 Millionen Tonnenradioaktive Abwässer aus dem verseuchten Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zu finden, als diese unkontrolliert für mehr als drei Jahrzehnte in den Pazifischen Ozean leiten zu lassen. 

Wir fordern Japan ausserdem auf, alternative und sichere Optionen zu finden, wie eine langfristige Lagerung am oder in der Nähe des Fukushima Daiichi Standorts. Das soll die Umwelt schützen und gesundheitliche Auswirkungen auf Menschen und andere Lebewesen verringern. Wir müssen berücksichtigen, dass die pazifischen Inselnationen mit den verheerenden Auswirkungen der Klimakrise und der Gefahr der Kontaminierungsbelastung ausgesetzt sind. Jene Inselnationen leben nach wie vor mit den Nachwirkungen der Atomtests, welche die Vereinigten Staaten zwischen 1946 und 1954 durchgeführt hatten.

Wir bedauern, dass der Besuch von Präsident Joe Biden in Hiroshima während des G7-Gipfels äusserst respektlos gegenüber den Hibakusha und ihren Unterstützern verlaufen ist. Das inakzeptable Verhalten Joe Bidens den Atomkoffer(auch: Nuklear Football) für alle sichtbar in den Hiroshima Peace Memorial Park tragen zu lassen. Er nutzte die Hiroshimareise dafür, das Militärbündnis zusammen mit den US-Verbündeten zu stärken. 

Dass Präsident Biden den Atomkoffer in den Hiroshima Peace Memorial Park brachte, war inakzeptabel. Dass er Hiroshima nutzte, um das Militärbündnis mit den US-Verbündeten zu stärken, war inakzeptabel. Dass er mit Premierminister Kishida zusammentraf, um die Ansicht zu teilen, dass eine erweiterte Abschreckung (einschliesslich des US-Nuklearschirms) und die Stärkung der japanischen Verteidigungskapazitäten von wesentlicher Bedeutung sind, war inakzeptabel. Und dass er Präsident Selenskyj zusätzliche Militärhilfe versprach, während sie in Hiroshima waren, war ebenfalls inakzeptabel.

Stattdessen hätte Biden den Gipfel nutzen können, um einen Plan aufzustellen, wie die derzeitigen Kriege beendet und wie die Atomwaffen weltweit abgeschafft werden können.

Um Frieden in der nordostasiatischen Region zu gewährleisten, fordern wir Japan auf, sich uns anzuschliessen und den Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel zu unterstützen. In den Vereinigten Staaten wurde das Gesetz zum Frieden auf der koranischen Halbinsel vom Kongressabgeordneten Brad Sherman (D-CA) erneut vorgestellt. Der Gesetzesentwurf unterstützt die Verpflichtungen, die die Führer der koreanischen Halbinsel im April 2018 in Panmunjom eingegangen sind und fordert den US-Aussenminister auf, dringend diplomatische Gespräche mit der Republik Korea und der Demokratischen Volksrepublik Korea zu führen. Damit soll ein verbindliches Friedensabkommen verfolgt werden, das den Koreakrieg offiziell beenden soll.

Im Jahr 2021 trat der Vertrag über das Verbot von Kernwaffen (TPNW) in Kraft. Obwohl der Vertrag für die USA rechtlich nicht bindend ist, weil unsere Regierung ihn weder unterzeichnet noch ratifiziert hat, wurden alle Kernwaffen, einschliesslich der US-Bestände, von der internationalen Gemeinschaft für rechtswidrig erklärt.

Wir fordern Japan auf, auf den «nuklearen Schutzschirm» der Vereinigten Staaten zu verzichten, indem es den TPNW zügig unterzeichnet und durchsetzt. Wir sind besorgt darüber, dass gerade die Nichtkernwaffenstaaten wie Japan glauben, dass die regionale Sicherheit durch Kernwaffen der USA erhöht wird, obwohl genau das (nukleare Schutzschirm) den Krieg in Europa nicht verhindert hat, wie andere Kernwaffenstaaten behauptet hatten.

Tatsächlich hat der Krieg in der Ukraine die Risiken des gesamten nuklearen Vorhabens offengelegt. Wir bedauern Japans Stärkung der Militärbündnisse mit den USA und deren Verbündeten. Die Einrichtung eines NATO-Büros in Tokiowird die Region nicht sicherer machen, da die Welt durch eine solche Militärallianz und einer Politik der nuklearen Abschreckung, die die Spannungen verschärft, gefährlicher geworden ist.

Nach dem TPNW gleicht sich das Vertrauen auf den nuklearen Schutzschirm der nuklear bewaffneten Staaten einer Verschwörung zu völkerrechtlichen Handlungen. Die TPNW verbietet nicht nur die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Androhung des Einsatzes von Kernwaffen, sondern auch die Berufung auf den nuklearen Schutzschirm der nuklear bewaffneten Staaten eine Form der Verschwörung zu völkerrechtswidrigen Handlungen, denn das TPNW verbietet nicht nur die Entwicklung, Herstellungen, Lagerung oder Androhung des Einsatzes von Kernwaffen, vielmehr auch die Motivation oder Veranlassung zu solchen Handlungen. Ermutigung oder Veranlassung zu solchen Handlungen.

Wir werden die Regierung der USA weiterhin auffordern, das TPNW zu unterzeichnen und in Kraft treten zu lassen, sowie einen multilateralen Dialog mit allen atomar bewaffneten Staaten aufzunehmen, um alle Atomwaffen auf diesem Planeten abzuschaffen. Wir freuen uns darauf, unsere Zusammenarbeit fortzusetzen, um eine atomwaffenfreie Welt zu erreichen, in der, wie es in der Präambel Ihrer Verfassung heisst, «alle Völker der Welt das Recht haben, in Frieden zu leben, frei von Furcht und Not.»

NIE WIEDER HIROSHIMA
NIE WIEDER NAGASAKI
NIE WIEDER FUKUSHIMA
NIE WIEDER KRIEG
NIE WIEDER HIBAKUSHA
NIE WIEDER!

Unterstützende Organisationen in den USA (mit insgesamt über 391.600 Mitgliedern und Unterstützern)

Veterans For Peace – NYC Chapter 34
Manhattan Project for a Nuclear-Free World
Action Corps
Baltimore Nonviolence Center
Ben Salmon for Sainthood
Brooklyn For Peace
Broome County Peace Action
Campaign for Peace, Disarmament & Common Security
Coalition Against Nukes
CODEPINK
Environmentalists Against War
Erwin Citizens Awareness Network (ECAN)
Genesee Valley Citizens for Peace
Granny Peace Brigade, NYC
Heiwa Peace and Reconciliation Foundation of New York
Judson Memorial Church
Long Island Alliance For Peaceful Alternatives
Memory Productions
Monterey Peace and Justice Center
New Hampshire Peace Action
New York Campaign to Abolish Nuclear Weapons
New York Catholic Worker
No Nukes Action
North Country Peace Group
No War Westchester
Nuclear Energy Information Service (NEIS)
Nuclear Hotseat Podcast/Broadcast
Nuclear Watch South
Nukewatch
NYC Metro Raging Grannies
NY Committees of Correspondence for Democracy & Socialism
NYC War Resisters League
Office of Peace, Justice, and Ecological Integrity/Sisters of Charity of Saint Elizabeth
Pax Christi New York State
Peace Action Manhattan
Peace Action New York State
Peace Action of Staten Island
Peace Boat US
Peace Resource Center at Wilmington College
Physicians for Social Responsibility- NY
Rachel Corrie Foundation for Peace and Justice
Raging Grannies and their Daughters of New York Cities
Rise and Resist
Rising Together
San Luis Obispo Mothers for Peace
South Country Peace Group, Inc.
Stand with Okinawa NY
The Ribbon International
United National Antiwar Coalition (UNAC)
Uptown Progressive Action
Veterans for Peace the Hector Black Chapter
WESPAC Foundation, Inc.
World BEYOND War, U.S. Chapters
World Can’t Wait
Youth Arts New York/Hibakusha Stories

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Sabine Prizigoda vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam erstellt. Wir suchen Freiwillige!

 

 

Kommentare

Weltweit 200'000 Opfer durch Atombomben

von juerg.wyss
Aber es sind viel mehr die durch konventionelle Waffen umkamen. Nehmen wir als Beispiel Afghanistan, da sind seit 1978 durch Kriege 2'000'000 Opfer zu verzeichnen. Oder der Jugoslawienkrieg 140'000 Tote. Dies sind nur zwei Kriege der unzähligen Kriege ebenso unzählig sind die Toten. Die starben nicht durch Atombomben aber durch Kriege. Warum kämpft man gegen Atombomben und vergisst die normalen Kriegsopfer? Ich habe den Eindruck ihr kämpft gegen die Möglichkeit eines Krieges, weil ihr keine Mittel habt gegen den echten Krieg zu kämpfen. Es kommt mir so vor wie man gegen Formel1 Fahrzeuge im Strassenverkehr kämpft, obwohl es keine Formel1 Fahrzeuge im Verkehr gibt. Ihr solltet vielmehr gegen kriegerische Massnahmen kämpfen, als eine Massnahme (Atombombe) auswählen, und die anderen frisch munter fröhlich auf die Opfer loszulassen. Und da quarkt ihr was von Frieden. Frieden ist wenn der Krieg vorbei ist, nicht wenn der Krieg geordnet vor sich geht.