Ernährungsinitiative verlangt nationale Wasserstrategie
Das Initiativkomitee für die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung» hat am Donnerstag den Abstimmungskampf für den 27. September eröffnet. Trotz des ausbleibenden Rückhalts im Parlament wirbt das Bündnis vehement für ein Ja an der Urne. Die Initiatorinnen und Initiatoren sehen dringenden Handlungsbedarf bei der inländischen Versorgung.
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Das Komitee stellt die Initiative vor. KEYSTONE/ANTHONY ANEX
  • Das Initiativkomitee für eine sichere Ernährung hat die Kampagne für die Abstimmung am 27. September lanciert.
     
  • Die Initiative fordert eine nationale Wasserstrategie gegen die Trockenheit. Zudem will das Bündnis den Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln von 50 auf 70 Prozent erhöhen.
     
  • Im Parlament war das Begehren zuvor chancenlos. Nun entscheiden Volk und Stände über die Vorlage.


Im Zentrum steht der Wunsch nach einer krisenfesten Landwirtschaft. Der Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln soll laut der Vorlage auf 70 Prozent steigen. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lag dieser Wert bei lediglich 50 Prozent.

Die heimischen Bauernbetriebe sind nach Ansicht des Komitees derzeit nicht darauf vorbereitet, die Bevölkerung in schweren Mangellagen autark zu ernähren.

Sorge wegen fehlender Wasserstrategie

Ein weiterer Treiber für das Begehren ist die Erderwärmung. Zwar verfügt das Land über Frühwarnsysteme für Hitzeperioden und extreme Trockenheit, eine übergeordnete Planung fehlt jedoch.

Das Komitee bezeichnet das Fehlen einer nationalen Wasserstrategie zur Absicherung der Versorgung als «bedrohlich». Nun entscheiden Volk und Stände über die Weichenstellungen in der Agrarpolitik.

Die Initiative «Für eine sichere Ernährung», warum es sie braucht, was sie will:

70% Selbstversorgung anstreben, dabei die Umwelt verbessern und Wasser sparen
Wir könnten uns zu mehr als 100% selbst versorgen, wenn wir unsere Ackerflächen für den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln für die Menschen priorisieren und das Grasland für die Milch- und Fleischproduktion nutzen sowie den Food Waste reduzieren. Dabei verbessern wir die Umwelt und senken den Wasserverbrauch. Das zeigt eine kürzlich in der Agrarforschung Schweiz publizierte Studie "Wege zu einer markanten Erhöhung des Selbstversorgungsgrades bei weniger Umweltbelastung". Genau diesen Weg geht die Initiative für eine sichere Ernährung, ohne dabei eine Ernährungsweise auszuschliessen.

Produktion und Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln fördern

Insbesondere soll der Bund Massnahmen zur Förderung einer vermehrt auf pflanzlichen Lebensmitteln basierenden Ernährungsweise treffen und die Land- und Ernährungswirtschaft darauf ausrichten. Heute fördern 75% der Agrarsubventionen die tierische Produktion. Produktion und Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln werden massiv benachteiligt. Die Initiative verlangt kein Fleischverbot und keinen Vegan-Zwang, wie die Gegner argumentieren.

Die Initiative schafft neue Marktchancen und Zukunftsperspektiven für die Landwirtschaft

Pflanzliche Lebensmittel selbst anzubauen und zu verarbeiten, statt sie zu importieren, erhöht die Selbstversorgung, schafft Arbeitsplätze, stärkt die Wirtschaft und bietet unseren Landwirtinnen und Landwirten neue Einnahmequellen. Der Markt dafür besteht: Nur ein Drittel der pflanzlichen Lebensmittel produzieren wir heute selbst, der Rest wird importiert. 

Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität sicherstellen

Die Initiative verlangt die Sicherstellung dieser natürlichen Ressourcen. Sie sind das Fundament für unsere Lebensmittelproduktion. Fördert die Landwirtschaft Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität, kann sie ihre Erträge steigern und Pestizide mit einem natürlichen Pflanzenschutz ersetzen. Nachhaltige Anbausysteme wie Agroforstwirtschaft, regenerative Landwirtschaft, Mischkulturen sind wegweisend dafür.
 
Die seit 2008 in den Umweltzielen der Landwirtschaft festgelegten Höchstwerte für Dünger müssen eingehalten werden
Durch Gülleüberschüsse und Ammoniakemissionen aus einer mit 1,3 Millionen Tonnen Importfutter angeheizten Tierproduktion werden die Höchstwerte für Dünger (Stickstoffverbindungen und Phosphor) heute massiv überschritten – beim giftigen, stickstoffhaltigen Gas Ammoniak um 70%. Ammoniak kann sich in Lachgas umwandeln. Lachgas ist ein Treibhausgas, das 300-mal stärker wirkt als CO2. Die heutige Tierproduktion in der Schweiz verstärkt den Klimawandel, braucht enorme Wasserressourcen und führt durch Überdüngung zum Verlust der Bodenfruchtbarkeit, der Biodiversität und von sauberem Trinkwasser. 50% des Schweizer Fleisches wird mit Importfutter hergestellt!

Nachhaltige Handelsbeziehungen

Die Schweiz verfügt über begrenztes Landwirtschaftsland und kann den hohen Konsum tierischer Produkte, der zudem noch übermässig staatlich gefördert wird, nicht aus eigenem Boden decken. Dies muss der Bevölkerung aufgezeigt und offen und ehrlich kommuniziert werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass seit der Verankerung der Ernährungssicherheit in der Verfassung im Jahr 2017 der Bund dafür sorgen muss, dass Lebensmittel, die die Schweiz nicht in genügender Menge oder gar nicht selbst produzieren kann und importiert, nachhaltig produziert werden müssen. 

Aus Tierschutzgründen müssen zudem seit 2026 tierische Importprodukte deklariert werden, wenn sie mit in der Schweiz verbotenen Produktionsmethoden hergestellt wurden. 

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