Europa kauft wieder russisches Flüssiggas – Energiepolitik zwischen Abhängigkeit, Marktzwang und geopolitischen Spannungen im Wandel

Trotz Ausstiegsplänen steigt Europas Import russischen Flüssiggases deutlich. Nahost-Krise und Preise verschärfen die gegenseitige Abhängigkeit


Trotz politischer Spannungen und langfristiger Ausstiegspläne greift Europa verstärkt auf russisches Flüssigerdgas (LNG) zurück. Im ersten Quartal nahmen EU-Staaten rund 97 Prozent der Produktion des sibirischen Yamal-LNG-Projekts ab, während die Importe im Jahresvergleich um 17 Prozent auf etwa 5 Millionen Tonnen stiegen.

Hintergrund ist vor allem die angespannte Lage auf den globalen Energiemärkten, ausgelöst durch geopolitische Krisen, insbesondere im Nahen Osten, die alternative Lieferketten beeinträchtigen. Gleichzeitig treiben gestiegene Weltmarktpreise die Kosten nach oben – allein im ersten Quartal gaben EU-Länder rund 2,88 Milliarden Euro für russisches LNG aus.

Obwohl die Europäische Kommission ein vollständiges Importverbot ab 2027 plant, zeigt die aktuelle Entwicklung die fortbestehende Abhängigkeit beider Seiten: Europa bleibt auf kurzfristig verfügbare Energielieferungen angewiesen, während Russland kaum gleichwertige Absatzmärkte findet.

Das Yamal-Projekt spielt dabei eine Schlüsselrolle, da es den Grossteil der russischen LNG-Exporte in die EU liefert. Experten halten eine schnelle Entkopplung für unrealistisch und sehen den Markt weiterhin von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägt.


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