Die Proteste in Frankreich, Italien und anderswo sind berechtigt. Heute: Milliarden Investitionen in ausländische Kriege, irre Aufrüstung, Teuerung, vernachlässigtes Schulsystem. Die zunehmende Armut wird ignoriert wie der Klimawandel. Der fragwürdige technische Fortschritt und die konventionelle und atomare Aufrüstung, bedrohen die Zukunft der Menschen nicht nur in Frankreich. Die Reichen in vielen Staaten Europas werden heute immer reicher, die Armen sicher nicht. Die Proteste schlagen in Frankreich, Italien und weiteren Ländern in Gewalt um. Oft erst wenn es richtig knallt bei Demos berichten die Medien von den Anliegen der Menschen, die auf die Strasse gehen, aber zumeist informieren sie vor allem über die Ausschreitungen.
Ich erinnere mich: 1977, als über 10’000 Menschen gegen die Fertigstellung des Atomkraftwerkes Gösgen in der Schweiz demonstrierten, berichteten die Medien hauptsächlich über die gewalttätigen Aktionen des schwarzen Blockes, einer Gruppe von wenigen Personen.
In der Nacht, als Tausende draussen in der Nähe des AKW Gösgen verbrachten, kam die Meldung: «Das AKW Zwentendorf in Österreich wird nicht in Betrieb genommen. Die österreichischen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben das entschieden.»
Es ist auch schon vorgekommen, dass bezahlte Vermummte eingeschleust wurden, um eine Demonstration zu diskretitieren. Agents provocateurs wurden etwa Ende des 19. Jahrhunderts gegen Gewerkschaften eingesetzt, um Ausschreitungen zu provozieren, mit welchen dann Polizeigewalt gegen Arbeitergruppen gerechtfertigt wurde. Agent Provocateur – Wikipedia
Wie man hört, ist nicht nur das Bildungssystem in Frankreich in einem desolaten Zustand und der bauliche Zustand der Schulen auch. Auch die Armut nimmt in dieser «grossen Nation» zu. Die Obdachlosigkeit gibt es immer noch, die Abbé Pierre schon vor 70 Jahren beseitigen wollte. Damals, 1956, gab es rund um Paris und Marseille Bidonvilles, ohne Kanalisation wie heute noch in vielen Städten Afrikas, Asiens, Süd- und Mittelamerikas.
Kriege, Aufrüstung, daher wenig Geld für Bildung, Soziales, Klimaschutz
Als ich 1964 im Spital in Montfermeil bei París lag, las ich in der Zeitung Le Parisien, dass Frankreich seit Beginn des Zweiten Weltkrieges bis etwa Ende des Algerienkrieges, 1962, keine neuen Spitäler gebaut hatte. Frankreich brauchte sein Geld nach dem Zweiten Weltkrieg für seine Kolonialkriege in Indochina und in Algerien und baute seine atomare Streitmacht auf, die Force de Frappe.
Frankreich vergeudet heute jährlich 67,7 Milliarden US Dollar für das Militär, 2,1 Prozent des Bruttosozialproduktes. Die Amerikaner wollen sogar, dass ihre europäischen Nato-Verbündeten fünf Prozent des Bruttosozialproduktes in die Militärapparate investieren.
Frankreich hat sein Militärbudget in den letzten Jahren schon stark erhöht. Die Militärausgaben werden bis 2030 um 36 Milliarden Euro (rund 41 Milliarden US-Dollar) erhöht.
Der französische Staatspräsident Emanuel Macron hat auch angekündigt, dass die Militärausgaben bis zum Ende seiner Amtszeit im Vergleich zum Stand bei seinem Amtsantritt 2017 verdoppelt werden.
Der neue atomgetriebene Flugzeugträger Frankreichs soll 10 Milliarden Euro kosten. Macron will auch das Atomwaffenarsenal Frankreichs weiter ausbauen, was auch Milliarden kosten wird. Aber bei diesem Militärirrsinn zu sparen ist in Frankreich nicht in Sicht wie in vielen anderen Ländern auch nicht, auch nicht in der Schweiz. Die Lobby der Militärs und der Rüstungskonzerne haben in den Hauptstädten, in Paris Brüssel und Bern das Sagen. Mit Waffen soll Frieden geschaffen werden.