Indigene Gemeinschaften in Südchile leisten zunehmend Widerstand gegen die expansive Lachsindustrie. Besonders die Kawésqar im Nationalpark Kawésqar kritisieren die massive Verschmutzung durch norwegische Konzerne wie Nova Austral. Gegenüber einer heiligen Höhle mit einer mumifizierten Ahnin der Kawésqar betreibt das Unternehmen intensive Lachszucht. Anführerin Leticia Caro beklagt, dass Arbeiter sogar Selfies mit der Mumie gemacht hätten – ein klarer Mangel an Respekt vor kulturellem Erbe.
Chile ist nach Norwegen der zweitgrösste Lachsproduzent der Welt. Die Industrie exportiert vor allem in die USA, Japan und zunehmend nach Europa. Lachs ist nicht heimisch; er wurde in den 1980er-Jahren aus Norwegen importiert. Die Produktion stieg zwischen 1990 und 2017 um fast 3000 Prozent. Jährlich gelangen Hunderte Tonnen Antibiotika, Chemikalien und Pestizide ins Meer und schaffen «tote Zonen». 2024 verbrauchte die chilenische Branche über 351 Tonnen Antibiotika – ein grosser Teil davon gelangt in die Umwelt.
Die indigenen Völker fordern den Schutz ihrer traditionellen Fischgründe und heiligen Stätten durch das Lafkenche-Gesetz von 2008. Dieses ermöglicht die Einrichtung indigener Küstenzonen (ECMPO). Bisher wurden 42 solche Zonen genehmigt. Die Lachsindustrie sieht darin jedoch eine Bedrohung und drängt auf eine Abschwächung des Gesetzes.Ein UN-Bericht von 2024 bezeichnet die Lachszucht als eine der grössten Umweltbedrohungen für Patagonien. Die Gemeinschaften warnen: Das Meer wird sauerstoffarm, die Fischerei unmöglich und das kulturelle Leben zerstört.