Südkorea: Protest gegen Raketen auf der «Friedensinsel»
Einwohner von Jeju fordern Stopp von Militärtests und Rüstungsplänen

Auf der südkoreanischen Insel Jeju, die sich selbst als «Friedensinsel» bezeichnet, formiert sich Protest gegen einen geplanten Raketenstarttest. Bürger- und Menschenrechtsgruppen haben eine Petition lanciert, um den gemeinsamen Seetest einer Feststoffträgerrakete vor der Küste von Seogwipo im Süden der Insel zu verhindern. Der Test wird vom südkoreanischen Militär, dem Rüstungsunternehmen Hanwha Systems und der Provinzregierung bis Ende April vorbereitet.

Die Kampagne wird von der Grünen Partei der Insel, dem Ortsverband der Gerechtigkeitspartei und der Gruppe «People Opposing Space Militarization and Rocket Launches» getragen. Die Organisationen befürchten eine weitere Militarisierung, die das empfindliche Ökosystem schädigt, die Umwelt belastet und demokratische Rechte einschränkt. Laut einem Bericht des Senders CBS Nocut News plant das Militär bis Ende nächsten Jahres rund zehn solche Tests. Bereits im Februar hatten 19 Bürgerinitiativen eine Stellungnahme der Provinzregierung verlangt – bisher ohne Erfolg. Die Behörden äusserten sich nur vage, der Start diene «militärischen Fähigkeiten».

Die Provinzregierung fördert die Raumfahrtindustrie als künftigen Wachstumsmotor und hat 2025 zum Startjahr einer für die Bevölkerung spürbaren Raumfahrt erklärt. Hanwha Systems profitiert stark von den Investitionen. Das Unternehmen ist ein wichtiger Hersteller von Kriegswaffen und beteiligt sich an der Aufrüstung und Digitalisierung des Militärs.Jeju ist bei Touristen beliebt, doch bereits die 2016 eröffnete Marinebasis Gangjeong hatte zu heftigen Protesten geführt, die staatlich niedergeschlagen wurden. Die Basis dient der südkoreanischen Marine und indirekt auch den US-Streitkräften in der Region.