Zwischen «Winterfest» und «Sitzhasen»: Wie religiöse Neutralität zur schleichenden Entleerung christlicher Traditionen führt
Wenn Weihnachtslieder entkernt und Osterhasen umbenannt werden, zeigt sich ein tieferer Wandel und der Verlust eigener Traditionen.
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(Illustration: ChatGPT)

In den letzten Jahren lässt sich ein wachsender Trend beobachten: Christliche Symbole und Traditionen verschwinden zunehmend aus dem öffentlichen Leben. Weihnachten wird zum «Winterfest», Weihnachtsmärkte zu «Wintermärkten» und Sankt Martin zum «Lichterfest». Diese sprachlichen Verschiebungen spiegeln einen gesellschaftlichen Wandel, in dem religiöse Bezüge neutralisiert oder durch weltliche Begriffe ersetzt werden – aus Gleichgültigkeit oder aus falsch verstandener Rücksichtnahme.

Im Kanton Bern ist die Schule zur religiösen Neutralität verpflichtet. Was vernünftig klingt, führt inzwischen zu einer seltsamen Praxis: Selbst Weihnachtslieder dürfen nur noch gesungen werden, wenn sie möglichst unverbindlich und bloß «kulturell» daherkommen. Religion ja – aber bitte entkernt.

Ähnliches gilt auch anderswo, selbst im traditionell geprägten Kanton Wallis. Überall dieselbe Logik: keine Bevorzugung, keine Praxis, keine Identität. Das Ergebnis ist nicht religiöse Neutralität, sondern kulturelle Selbstverleugnung. Denn Europas Prägung ist nun einmal christlich-abendländisch. Wer das nicht mehr benennen will, schafft kein Gleichgewicht, sondern ein Vakuum.

Ein Blick nach Deutschland zeigt, wie sich die Gewichte verschieben: In einer Schule in Kleve wird Schülern empfohlen, während des Ramadan nicht vor muslimischen Mitschülern zu essen. Aus Rücksicht wird Anpassung – allerdings nur in eine Richtung

Ein aktuelles Beispiel ist die Diskussion um die «Sitzhasen» im Prospekt des Discounters Lidl. Statt «Osterhasen» bewirbt das Unternehmen seine Schokoladenfiguren mit einem neutralen Begriff. Viele Kunden reagierten mit Unverständnis, in sozialen Medien entbrannte eine hitzige Debatte. Zahlreiche Stimmen sehen darin eine bewusste Distanzierung von der religiösen Bedeutung des Osterfestes. Einige kündigten sogar Boykotte an.

Ein Blick in einen Berner Vorort zeigt die Ambivalenz: In Grossverteilern tragen Schokoladenhasen neutrale oder englische Bezeichnungen, während Lautsprecher weiterhin «Osterhasen» ankündigen. In der lokalen Bäckerei hingegen bleibt der Begriff selbstverständlich bestehen.

Die Kontroverse steht exemplarisch für den wachsenden Widerstand gegen die Entchristlichung öffentlicher Symbole und Feiertage.

Der Fall der «Sitzhasen» ist damit mehr als eine Randnotiz. Er verweist auf einen größeren Kulturkonflikt und die Frage, welchen Platz traditionelle religiöse Symbole künftig noch einnehmen.

Das Gebot der religiösen Neutralität des Staates sollte Freiheit sichern – nicht die eigene Kultur zum Schweigen bringen. Sonst wird aus Ausgleich eine Schieflage. Und aus Rückzug freie Bahn für Materialismus und den politischen Islam.


Daniel Funk ist Redaktor bei Transition-News

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