IPPNW warnt vor Atomrisiken aus der Schweiz
Ärzteorganisation fordert von künftiger Baden-Württemberger Regierung Einsatz für Abschaltung alter Reaktoren

Wenige Tage vor dem 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hat die IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs) vor erheblichen Atomgefahren aus der Schweiz gewarnt. In einem Brief an die Verhandlungsteams von Cem Özdemir und Manuel Hagel (grün-schwarze Koalitionsverhandlungen) weisen die atomkritischen Ärztinnen und Ärzte auf vier alte Schweizer Kernkraftwerke hin, die unmittelbar an oder nahe der Grenze zu Baden-Württemberg liegen.

Besonders betroffen sind das weltweit älteste AKW Beznau (über 56 Jahre), Gösgen (über 45 Jahre) und Leibstadt (über 41 Jahre), die sich im sogenannten Überzeitbetrieb befinden. Eine Metastudie mit dem Titel «Grenzenloses Risiko» kommt zum Schluss, dass ein schwerer Unfall in diesen Anlagen Baden-Württemberg stärker treffen würde als die Schweiz selbst. Die IPPNW kritisiert zudem das Fehlen einer grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung gemäss der Espoo-Konvention.

Dr. med. Jörg Schmid von der IPPNW Stuttgart erklärte: «Wir fordern die künftige Landesregierung auf, sich gegenüber der Schweiz und der Bundesregierung für ein baldiges Ende des Überzeitbetriebs einzusetzen und dies in einem bindenden Staatsvertrag festzuschreiben.» Die Organisation verlangt zudem, dass Baden-Württemberg auf die Einhaltung völkerrechtlicher Verpflichtungen pocht und ein Schiedsgerichtsverfahren nach der Espoo-Konvention einfordert.