Kriegsgewinner in der Ukraine: Gerangel um die EU-Hilfsgelder
Die Entlassungen geschahen, um die Kontrolle über Milliardenkredite zu bewahren

In der Ukraine ist eine Führungskrise ausgebrochen. Präsident Selenskyj hat den Verteidigungsminister und den Armeechef entlassen. Laut dem Wall Street Journal-Journalisten Pancevski geht es dabei vor allem um die Kontrolle über die grossen EU-Hilfsgelder. Die EU hat der Ukraine einen Kredit von 90 Milliarden Euro gewährt, davon rund 60 Milliarden für die Verteidigung. Der Streit dreht sich darum, wer diese Mittel verteilt – und damit verbundene Profite und Pfründe. 

Solche Summen schaffen Begehrlichkeiten und bergen Korruptionsrisiken. Die Entlassungen haben zu Unruhe im Militär und in der Bevölkerung geführt. Kritiker sehen darin einen typischen Machtkampf um Ressourcen in Kriegszeiten. Der deutsche Aussenminister Wadephul zeigte sich optimistisch und meinte, die Entscheidungen seien nachvollziehbar und der Reformprozess werde weitergehen. Viele Beobachter halten diese Haltung für naiv. 

Die Krise zeigt einmal mehr die Abhängigkeit der Ukraine von westlichen Hilfen und die Herausforderungen bei der Verwendung solcher Mittel. Während die EU weitere Unterstützung zusagt, bleibt die Frage offen, ob die Gelder wirklich effizient und transparent für die Verteidigung eingesetzt werden oder in internen Machtspielen versickern.