Merkel kritisiert mangelnde Verhandlungsbereitschaft der EU
Frühere deutsche Kanzlerin fordert Diplomatie neben militärischer Unterstützung

Die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Ukraine-Politik der Europäischen Union scharf kritisiert. Beim WDR-Europaforum in Berlin bemängelte sie, dass Europa sein diplomatisches Potenzial zu wenig nutze, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Zwar sei die militärische Unterstützung der Ukraine und die Abschreckung Russlands richtig, doch fehle die zweite Seite der Medaille: aktive Diplomatie. 

«Militärische Abschreckung plus diplomatische Aktivitäten – das finde ich wichtig», sagte Merkel. Im Kalten Krieg sei dies selbstverständlich gewesen. Konkrete Vorschläge für Verhandlungen mit Moskau machte die ehemalige Regierungschefin nicht. Bis heute hat die EU keinen eigenen Unterhändler für mögliche Friedensgespräche benannt. Stattdessen setzt sie vor allem auf weitere Sanktionen und immer mehr Waffenlieferungen. Kritiker werfen der EU vor, hinter die Diplomatie des Kalten Kriegs zurückzufallen und einseitig auf militärischen Druck zu setzen. Merkels Aussagen lösten in Berlin und Brüssel Diskussionen aus.