«Musik ist die Sprache der Seele»
Ein Gespräch mit dem Trompeter und Komponisten Markus Stockhausen - über Musik, Neutralität und sein Festival «Die Schöpfung» vom 11. bis 13. September 2026
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«Durch Resonanz trifft man genau die Menschen, die auf derselben Wellenlänge sind.» Foto: Gerhard Richter

Zeitpunkt: Markus Stockhausen, ich freue mich sehr, dass wir die Gelegenheit haben, über dich und deine Projekte zu sprechen. Viele kennen dich vor allem als Trompeter, doch du verbindest Musik mit so vielem anderen: mit Licht, Bildhauerei, Texten und verschiedenen Kunstformen. Du stammst aus einer Musikerfamilie – dein Vater Karlheinz Stockhausen war ein bedeutender Komponist. Musik ist also im Zentrum deines Lebens. Stell dir vor, ich wäre eine Ausserirdische von einem Planeten ohne Musik: Was ist Musik eigentlich?

Markus Stockhausen: Musik ist ein Geschenk Gottes und eine universelle Sprache, die Menschen verbindet. Sie kennt keine Nationalität, keine Rasse, keine Religion. Durch unzählige Konzerte auf der ganzen Welt habe ich erlebt, wie Musik Brücken baut. Durch Resonanz und Sympathie trifft man genau die Menschen, die auf derselben Wellenlänge sind.
Der indische Mystiker und Musiker Hazrat Inayat Khan, den mein Vater sehr verehrte, nannte Musik «die Sprache der Seele». Er beschrieb das gesamte Universum als Musik. Aus wissenschaftlicher Sicht bestätigt sich das: Alles ist Schwingung, Frequenz und Zahl – wie schon Pythagoras und später Nikola Tesla sagten. Vom Geräusch über den Ton bis hin zur Materie und den Galaxien schwingt alles nach kosmischen Gesetzen. Musik ist dabei ein wunderbares, spezielles Phänomen innerhalb dieser Frequenzen. Sie bereichert uns kulturell und geistig und war oft visionär – denken wir an Bach, Mozart, Beethoven oder die Werke meines Vaters.

Zeitpunkt: Auf der Erde herrscht derzeit eher Disharmonie. Du ziehst dich nicht in dein Kämmerlein zurück, sondern engagierst dich – etwa während der Corona-Zeit und jetzt mit einem Beitrag im Buch «Deutschland neutral». Wie kommst du dazu? Und was hiesse Neutralität zum Beispiel für Deutschland in seinen vielen Bündnissen?

Markus Stockhausen: Auch in der Musik leben wir von Spannung und Entspannung, von Dissonanzen und Harmonien. Dissonanzen haben ihren Reiz und gehören dazu – das hat die Musikgeschichte immer wieder gezeigt. Betrachten wir die Erde als Ganzes, so herrscht auf 99 Prozent der Oberfläche Frieden. Die Kriege sind schreckliche Punkte, aber das Bewusstsein, aus dem sie entstehen, ist alt. Wir befinden uns in einem Übergang zu einem neuen Zeitalter, einem neuen Erdbewusstsein. Die Erde ist ein lebendiger Organismus, mit dem wir untrennbar verbunden sind.
Neutralität bedeutet für mich ganz konkret: Wir dürfen uns verteidigen, aber wir liefern keine Waffen ins Ausland – keine einzige. Wir unterstützen keine Kriege, weder direkt noch indirekt. Stattdessen setzen wir auf Dialog und Verhandlungen. Hinter den heutigen politischen Entscheidungen steht oft der militärisch-industrielle Komplex, für den Krieg ein riesiges Geschäft ist. Wir sollten uns stattdessen auf eine humane, wertschätzende Lebensweise konzentrieren. Je mehr Menschen diese Haltung einnehmen, desto eher kippt das geistige Milieu in eine friedlichere Richtung.

Zeitpunkt: Du planst in diesem Jahr dein erstes Festival «Die Schöpfung» vom 11. bis 13. September 2026 auf Schloss Hohenfels am Bodensee. Acht Konzerte, vier Vorträge – was ist deine Vision dahinter?

Markus Stockhausen: Wir wollen die Menschen beschenken und bereichern – ein echtes Fest der Schöpfung feiern. Ich habe vor allem Musiker eingeladen, die im Moment kreieren, die intuitive, lebendige Musik machen statt vorgefertigte Programme abzuspulen. Dazu kommen Vorträge, die den schöpferischen Aspekt des Kosmos und des Menschen beleuchten.Das Festival soll eine geistige Insel sein, ein Schiff, das in eine hoffnungsvolle Zukunft aufbricht. Es geht um Bewusstmachung der schöpferischen Kräfte in uns allen. Jeder von uns ist fortwährend schöpferisch: durch Gedanken, Gefühle, Worte und Taten erzeugen wir Resonanzfelder. Wir entscheiden bewusst oder unbewusst, welche Kräfte wir nähren – Liebe oder Hass, Harmonie oder Spaltung. Manchmal muss man auch klar «Nein» sagen: Nein zu Dingen, die uns nicht guttun. Gleichzeitig gilt es, positiv aufzuzeigen, wohin wir wollen. Die Politik hat derzeit zu wenig Visionen. Wir brauchen einen starken humanen Aspekt, der für die ganze Menschheit gilt.

Zeitpunkt: Es klingt wie eine konzentrierte Resonanzwerkstatt, in der ein Friedensgedanke entstehen und sich weitertragen kann.

Markus Stockhausen: Genau. Es soll Mut machen, Energie kreieren und Hoffnung geben. Auch in schwierigen Zeiten: Das Schlimmste geht vorüber. Vor und während des Festivals gibt es übrigens weitere Seminare zu Klang, Spirit und intuitiver Musik.

Zeitpunkt: Du hast gerade die CD «Between Earth and Sky» veröffentlicht. Was zeichnet sie aus?

Markus Stockhausen: Es ist eine wunderbare Aufnahme intuitiver Musik, die ich letztes Jahr in Italien mit vier italienischen Musikern gemacht habe – darunter die Sängerin Annie Barbazza und der Pianist Fabrizio Ottaviucci, mit dem ich schon seit den 80er Jahren spiele. Wir haben in nur zweieinhalb Tagen fast alles live und spontan aufgenommen. Der Titel deutet schon an, worum es mir geht: nicht nur die Erde, sondern auch den Himmel und das grosse Ganze zu betrachten.Wenn man in einen klaren Sternenhimmel schaut oder die beeindruckenden Aufnahmen des James-Webb-Teleskops sieht, wird einem bewusst, wie unfassbar gross das Universum ist. Allein in unserer Galaxie gibt es Milliarden von Sonnensystemen. Geistig können wir uns sofort dorthin begeben – durch Resonanz und Inspiration. Ich glaube, dass uns geistige Kräfte unterstützen können, wenn wir darum bitten. Die Freiheit des Menschen bleibt jedoch das höchste Prinzip.


(Volles Interview mit viel Musik - zum Anschauen und Hören)


Zeitpunkt: Viele Menschen sind derzeit bedrückt von der Weltlage. Was gibt dir Hoffnung?

Markus Stockhausen: Krisen rütteln uns auf und bringen Verborgenes ans Licht. Erst wenn wir sehen, welche Kräfte wirken, können wir bewusst «Nein» sagen und uns für das Gute entscheiden. Ich bin sehr hoffnungsvoll. Die Erde befindet sich in einer Evolutionsphase und wird in einen positiveren Zyklus kommen – ob in unserer Generation oder in den nächsten. Wichtig ist, dass wir aktiv mitgestalten: durch unser Denken, Fühlen und Handeln.

Zeitpunkt: Danke für dein Engagement, deine Musik und die Resonanzkraft, die du ausstrahlst.

Markus Stockhausen: Danke dir für das Gespräch. Ich würde mich sehr freuen, wenn einige Zuhörerinnen und Zuhörer zum Festival «Die Schöpfung» nach Schloss Hohenfels kommen. Dort können wir gemeinsam feiern, nachdenken und in eine hoffnungsvolle Zukunft blicken. 
 

Christa Dregger-Barthels

Christa Dregger
Christa Dregger-Barthels

Christa Dregger-Barthels (auch unter dem Namen Leila Dregger bekannt). Redaktionsmitglied des Zeitpunkt, Buchautorin, Journalistin und Aktivistin. Sie lebte fast 40 Jahren in Gemeinschaften, davon 18 Jahre in Tamera/Portugal - inzwischen wieder in Deutschland. Ihre Themengebiete sind Frieden, Gemeinschaft, Mann/Frau, Geist, Ökologie.

Weitere Projekte:

Biohotel Gut Nisdorf: www.gut-nisdorf.de

Terra Nova Begegnungsraum: www.terranova-begegnungsraum.de

Gerne empfehle ich Ihnen meine Podcast-Reihe TERRA NOVA:
terra-nova-podcast-1.podigee.io.  
Darin bin ich im Gespräch mit Denkern, Philosophinnen, kreativen Geistern, Kulturschaffenden. Meine wichtigsten Fragen sind: Sind Menschheit und Erde noch heilbar? Welche Gedanken und Erfahrungen helfen dabei? 

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