Mit dem Auslaufen des New-START-Vertrags am 5. Februar ist das letzte verbindliche Abkommen zur Begrenzung strategischer Atomwaffen zwischen den USA und Russland Geschichte.
Für den russischen Strategieanalysten Dmitri Trenin markiert dies nicht nur ein symbolisches Ende der Rüstungskontrolle, sondern das definitive Scheitern eines jahrzehntelangen Ansatzes. Die Ära substantieller Verhandlungen sei faktisch bereits 2022 beendet worden, als Washington offen das Ziel verfolgte, Russland im Ukrainekrieg strategisch zu schwächen.
Trenin zeichnet ein düsteres Bild der Gegenwart: Strategische Stabilität beruhe heute nicht mehr auf Regeln, sondern auf Angst. Abschreckung bleibe das einzige funktionierende Prinzip zwischen Atommächten – getragen von ausreichenden Arsenalen und der glaubwürdigen Bereitschaft, diese im Ernstfall einzusetzen. Einschüchterung, so Trenin, sei unangenehm, aber weiterhin die Grundlage für Frieden.
Parallel dazu eröffnen sich in den USA neue militärische Optionen, wie «The War Zone» berichtet. Mit dem Wegfall der vertraglichen Beschränkungen könnten zusätzliche Sprengköpfe auf Interkontinentalraketen stationiert, nuklearfähige Bomber reaktiviert oder neue Systeme wie nuklear bewaffnete Hyperschallraketen eingeführt werden.
Militärs hatten diese Schritte seit Jahren vorbereitet. Zugleich explodieren die Kosten: Allein die Modernisierung des US-Atomarsenals wird auf rund eine Billion Dollar geschätzt, weitere hunderte Milliarden könnten für neue Abwehrsysteme hinzukommen.
Die Kombination aus fehlender Rüstungskontrolle, wachsender Misstrauenslogik und massiver Aufrüstung deutet auf eine neue nukleare Ordnung hin – eine Ordnung ohne Sicherungsmechanismen, in der Stabilität nur noch durch gegenseitige Furcht aufrechterhalten wird.