Der Kinderschutzbund will sich nicht zur möglichen Gefährdung der drei Kinder des von der EU sanktionierten Journalisten Hüseyin Dogru äussern. Die Organisation mit über 50 000 Mitgliedern betont zwar das Kindeswohlprinzip der UN-Kinderrechtskonvention als wichtige Leitlinie für staatliches Handeln, nimmt aber keine Stellung zu einzelnen Fällen oder zur Anwendung dieses Prinzips bei europäischen Sanktionsmassnahmen.
Die Sanktionen haben bei der fünfköpfigen Familie – darunter zwei sechs Monate alte Zwillinge – zu Kontosperrungen geführt. Dogru erhält monatlich 506 Franken, nach der Sperrung des Kontos seiner Ehefrau bleiben der Familie nur noch 104 Franken. Laufende Verträge für Telekommunikation, Versicherungen und andere Alltagsausgaben können nicht mehr bezahlt werden. Es drohen Mahnungen, Inkassoverfahren und im schlimmsten Fall Obdachlosigkeit.
Eine Juristin kritisierte, dass die Behörden das Konto der Mutter ohne Prüfung der grundlegenden Bedürfnisse der Kinder gesperrt hätten. Der Betrag von 506 Franken sei für eine Familie mit Kleinkindern zu tief. Dogru befürchtet eine Eskalation bis hin zur Wegnahme der Kinder durch die Behörden – eine Lage, die durch staatliche Massnahmen selbst entstanden sei.Das Amtsgericht Frankfurt am Main wies einen Eilantrag auf Freigabe von Überweisungen ab. Die Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung beim Bundesfinanzministerium begründete die Sperrung mit vermuteter Umgehung durch die enge familiäre Bindung. Das Finanzministerium nimmt zu Einzelfällen grundsätzlich keine Stellung.