Wo bitte geht es zur Sicherheit? / 7
Zum Thema der neuen Zeitpunkt-Ausgabe «Das Ende der Gewissheit» stellten wir unseren LeserInnen diese Frage. Aus den vielen Antworten können wir nur eine kleine Auswahl gekürzt ins Heft aufnehmen. Hier kommen ausführlichere Antworten. Danke für Ihre Gedanken und Beiträge!
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Das Eis der Sicherheit schmilzt - was kommt darunter zum Vorschein?

...Der neue Zeitpunkt «Das Ende der Gewissheit» erscheint am 19. Februar. Sie können ihn für Fr./€ 10.– statt 15.- bestellen. Das Angebot ist gültig bis 16. Februar.


Glaube, Vertrauen, Gewissheit, Gott: Alles andere nährt die Spaltung, den Krieg.

Tief in meinem Innern bin ich mir gewiss, dass wir zum Frieden fähig sind auf dieser Erde. Diese Gewissheit ist weder ein Konstrukt noch ein Glaube. Sie ist ohne mein dazutun gewachsen aus einer Lebenserfahrung, die geprägt ist vom Verlust falscher Sicherheiten. Persönliche Wichtigkeit, feste Überzeugungen, überschätzte Fähigkeiten mussten dem Eingeständnis weichen, dass ich im Grunde klein und unbedeutend bin. Doch welch eine Gnade ist das Kleinwerden! Plötzlich hat die Welt Platz, wo vorher nur ich selbst den Platz einnahm. Dort, wo die «Grosse» selbstherrlich, doch erfolglos versuchte, zu erklären, zu verändern, zu errichten, öffnet sich der «Kleineren» in jeder ausweglosen Situation eine Tür, die ins Licht führt, ins Gute, in eine oft unerwartete Veränderung. Es gibt für mich keine Sicherheit, nur die Erfahrung, dass ich (wir?) liebevoll eingeladen bin (sind?), durch diese Tür ins Ungewisse zu gehen, hindurchzugehen, was immer das ist, was im Weg steht – die Welt, Verlorenheit, Lebensumstände. Gehen muss ich selber.

Der Weg zum Frieden, soweit ich erfahren habe, führt nicht über grossartige Höhen, sondern durch die Niederungen des Loslassens. Das Geschenk ist ein Boden, der trägt und tragfähig ist, ein Glück, das nicht von äusseren Umständen abhängt und eine Kraft, die aushält und weitergeht.

Ob wir den Frieden verwirklichen können, weiss ich nicht. Alles spricht dagegen, die Gewissheit bleibt. Ich wundere mich selber darüber. Doch ich weiss, dass nur dieser Boden tragfähig ist und weiterführt, wenn alles ringsum zusammenbricht.

Ob Glaube, Vertrauen, Gewissheit, Gott – wie immer wir es nennen – es braucht diese unpersönliche Kraft in uns, um beharrlich kleine Schritte Richtung Frieden zu gehen. Alles andere nährt die Spaltung, den Krieg.

Silvia Gabriel


Gewissen und Bauchgefühl

Eine der grössten Gewissheiten besteht für mich darin, dass das Leben grundsätzlich «Veränderung» bedeutet. Um mit diesen Veränderungen Schritt halten zu können, nutze ich eine weitere Gewissheit: Ich kann mich auf meine Wahrnehmung und mein Gefühl verlassen. Zusammen mit meinem Gewissen weisen mir die Drei den Weg durch die Veränderung und die Umbrüche, die privat und in der Welt stattfinden. Solange ich ehrlich und reflektiert hinschaue und den nötigen Mut gepaart mit Zuversicht und Durchhaltewillen aufbringe, können rundherum das Gewohnte und die vermeintlichen Gewiss- und Sicherheiten zusammenbrechen.

Wenn sich jeder Mensch auf sein Gewissen und Bauchgefühl verlassen und sich mutig und ehrlich vorwärtsbewegen würde, anstatt still zu stehen und still zu sein, dann würden wir bestens durch jede Veränderung hindurch kommen, hin zu einer besseren und angenehmeren Welt. Denn eines ist ebenso gewiss: jeder Mensch hat ein Herz. Man muss es bei sich selbst oder anderen nur ansprechen können - und das Gute wird sich zeigen, damit Neues erschaffen werden kann.

Ralph Stucki

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