Auch die Medien sind von einem Virus befallen. Das Gegenmittel heisst: media distancing

Zuschriften von Lesern zeigen: Die Medien lehnen kritische Leserbriefe mit entlarvenden Argumenten ab. Ebenso schwach ist die Ablehlung einer Beschwerde gegen «10 vor 10» durch den Ombudsmann der SRG.

(Foto: Elijah O‘Donell / unsplash.com)

«Wenn zwei Personen widersprechende Meinungen äussern und die eine sagt die Wahrheit, die andere aber lügt, dann besteht die Aufgabe der Medien nicht darin, beiden gleich viel Raum zu geben und beide kommentarlos ‹abzubilden›.»

Damit begründet SRG-Ombudsmann Roger Blum die Ablehnung einer Beschwerde gegen einen Beitrag der Nachrichtensendung «10 vor 10» vom 19. März, in der namentlich der deutsche Lungenarzt Wolfgang Wodarg als Quelle von Fake-News abqualifiziert wurde.

Roger Blum macht es sich einfach: Weil Wodarg angeblich lügt, darf man der Gegenseite mehr Sendezeit geben und sie direkt Stellung nehmen lassen, währenddem Wodarg eine Replik verweigert wird. Im Klartext: Weil W lügt, darf er seinen Standpunkt gar nicht ordentlich begründen.

Weil andere Wodarg als Fake-News-Quelle klassifizieren, darf es das Schweizer Fernsehen auch.

Dazu kommt: Als Begründung dafür, dass Wodarg Falschinformationen verbreite, dienen das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» und die «Neue Zürcher Zeitung». In der NZZ. Wer den «Faktencheck» in der NZZ vom 21. März nachliest, erkennt leicht, dass die Entwicklung seither Wodarg in Bezug auf exponentielles Wachstum, Gefährlichkeit des Virus etc. weitestgehend recht behalten hat.
Roger Blum aktiviert gewissermassen das selbstreferentielle System der Mainstream-Medien: Weil andere Wodarg als Fake-News-Quelle klassifizieren, darf es das Schweizer Fernsehen auch.

Tatsächlich sind die Massenmedien derart mit zweifelhaften Angst-Botschaften und -Bildern verseucht, dass man sich an den Rat des prominenten Virologen John Oxford halten sollte: «Ich würde sagen, der beste Ratschlag ist, weniger Zeit mit Fernsehnachrichten zu verbringen, die sensationell und nicht sehr gut sind. Ich sehe diesen Covid-Ausbruch als eine Art schlimme Wintergrippeepidemie an. Wir leiden unter einer Medienepidemie!»
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Nachfolgend der Mailverkehr zwischen einem Leser und Benjamin Geiger, dem Chefredaktor der Zürichsee-Zeitung, sowie die Beschwerde eines Lesers gegen eine Sendung von «10 vor 10¬ und die Antwort des SRG-Ombudsmannes

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Von: xy
Betreff: Leserbrief
Datum: 24. März 2020 um 09:53:31 MEZ
An: redaktion.horgen@zsz.ch

Es erstaunt immer mehr, wie es die Menschheit geschafft hat, zur mächtigsten Spezies auf Erden zu werden.
Jedes Jahr sterben in der Schweiz Hunderte kranker, meist alter Menschen nicht an sondern mit einer Grippeinfektion und jedes Jahr wurde das als normal angesehen bis einer auf die Idee kam, den Auslöser nicht einfach Grippe, Schweinegrippe, Sars, Vogelgrippe, sondern Covid-19 zu nennen.
Tönt schön viel gefährlicher, oder ? Ist es aber nicht. Die Corona Krise tritt jedes Jahr auf, nur unter anderem Namen. Sie heisst eigentlich ganz einfach Grippewelle. So wie es aussieht werden es dieses Jahr sogar weniger Grippe-Tote werden als im Jahr 2015.
Und dies nicht etwa wegen der getroffenen Massnahmen (obwohl uns dies natürlich so verkauft werden wird).
Gleichzeitig wird durch die hysterischen Behörden in Kauf genommen, dass die Bevölkerung traumatisiert wird, die Real-Wirtschaft in den Keller fährt und sinnlos und unnötig Existenzen vernichtet werden.
Es ist verantwortungslos von unserem Bundesrat, so einen unabsehbaren Kollateralschaden anzurichten aufgrund von Daten, die nicht mal gesichert sind und nur auf Angst und Panik beruhen. Aber na ja, vielleicht braucht es das, damit wir alle endlich lernen, dass wir halt auch nur Teil der Natur sind. Ah und übrigens - nächstes Jahr werden wir das gleiche Trauerspiel wieder durchmachen, wenn dann die nächste Grippewelle mit dem Covid-0815 anrollt - entschuldigung, gemäss Pandemiegesetz natürlich die nächste Pandemie.

 

Von: "Geiger, Benjamin" <benjamin.geiger@zsz.ch>
Betreff: Ihr Leserbrief
Datum: 24. März 2020 um 11:47:05 MEZ
An: xy
Antwort an: benjamin.geiger@tamedia.ch

Sehr geehrte …

Ich beziehe mich auf Ihren Corona-Leserbrief. Wir erlauben auch in Krisenzeiten kritische Zuschriften und Kritik an behördlichen Massnahmen. Was wir nicht abdrucken sind Behauptungen, welche die Gefährlichkeit der Corona-Pandemie verharmlosen. Natürlich wissen wir heute noch nicht, wie gefährlich die Krankheit sein wird und welche Massnahmen wirklich wirken. Das werden wir im Nachhinein noch ausgiebig beurteilen. Jetzt ist aber nicht der Zeitpunkt, Corona zu verharmlosen und alle Massnahmen grundsätzlich als überflüssig darzustellen. Die ganze Bevölkerung und die Wirtschaft nehmen sehr grosse Opfer in Kauf, in der Überzeugung, dass wir es so gemeinsam schaffen werden. Deshalb drucken wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Leserbriefe, welche diese Anstrengungen mit ebenso unbewiesenen Behauptungen kritisieren.

Mit bestem Dank für Ihr Verständnis und bleiben Sie gesund!
Benjamin Geiger, Chefredaktor
Zürcher Regionalzeitungen (Landbote, Zürichsee-Zeitung, Zürcher Unterländer)

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Schriftwechsel zu einer Beschwerde gegen eine Nachrichtensendung von «10 vor 10» vom 19. März

 

03. April 2020
von:

Über

Christoph Pfluger

Submitted by reto on Do, 07/13/2017 - 08:33

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. "Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen".

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