Bürger wären dem Bankensystem ausgeliefert

Die Abschaffung des Bargelds hätte für Bürger unkalkulierbare Risiken. Bürgerkonten bei der Zentralbank könnten die Freiheit sichern.

(Auszüge)
Neben dem vermeintlichen Effizienzgewinn baut die anwachsende Schar einflussreicher Bargeldverächter vor allem auf ein Argument: Geldnoten, so heißt es allenthalben, nützten vor allem Kriminellen, weil sie damit anonym ihre illegalen Einnahmen erzielen und durch Erwerb legaler Güter reinwaschen könnten. Weniger Bargeld, weniger Kriminalität, lautet das Versprechen.

Doch das ist ein allzu durchsichtiger Vorwand. Die Berichte der „Financial Action Task Force“ der OECD-Staaten belegen, dass Bankaufseher Draghi und seine Kollegen den Kampf gegen die Geldwäsche gar nicht betreiben. Seit Jahren monieren da die Experten, dass Banken fast nirgendwo gezwungen werden, die Herkunft der Kundengelder zu prüfen und im Zweifel zurückzuweisen. Völlig unbehelligt können darum Kleptokraten und Mafiosi aller Länder ihre illegalen Erlöse in den legalen Kapitalmarkt einschleusen, und das ganz ohne Bargeld und sogar am Sitz der EZB in Frankfurt. „Wenn ich Mafioso wäre, würde ich mein Geld in Deutschland anlegen“, beklagt der italienische Staatsanwalt und Mafiajäger Roberto Scarpinato.

Würde privates Geld nur noch als Bankguthaben existieren, wäre das die Einladung, alle Krisenverluste per Negativzins, Gebührenwucher und notfalls Umwandlung in Aktienkapital auf die Kunden abzuwälzen.
Ist das also das eigentliche Ziel der Kampagne? Dieser Verdacht liegt jedenfalls nahe, solange die Apologeten der bargeldlosen Gesellschaft das einzige staatlich garantierte Zahlungsmittel abschaffen wollen, ohne dafür eine Alternative anzubieten. Dabei wäre eine solche leicht zu schaffen, wie es die britische Organisation „Positive Money“ jüngst mit einem überzeugenden Gutachten belegt hat: Wenn jeder Bürger ein Konto bei der Zentralbank haben dürfte, dann könnte das die individuelle Geldfreiheit auch elektronisch sichern. Ein jeder könnte das staatlich garantierte Zahlungsmittel in beliebiger Höhe nutzen, ohne dabei von Bankenkrisen bedroht zu sein. Nur so wäre der Übergang zu einem E-Cash-System mit den Grundrechten vereinbar.

Ganzer Text: http://www.tagesspiegel.de/meinung/bargeld-abschaffen-buerger-waeren-dem-bankensystem-ausgeliefert/12990202.html