Was macht einen Aktieninvestor gesellschaftlich angesehen, während ein Sozialhilfebezüger als Belastung gilt? Im Gespräch mit Elisa Gratias hinterfragt der Ökonom und Bestsellerautor Max Otte die moralischen Maßstäbe unserer Wirtschaftsordnung.
Kapitalismus bedeute ursprünglich lediglich Privateigentum an Produktionsmitteln – heute sei daraus ein System geworden, das Wettbewerb, Konsum und Leistungsdruck zur scheinbar unverrückbaren Lebensnorm erhoben habe.
Ökonomen seien dabei zur neuen «Priesterkaste» geworden, deren Dogmen kaum noch hinterfragt würden. Otte plädiert dafür, wirtschaftliche Zwänge nicht als Naturgesetze zu akzeptieren, sondern als menschengemachte Strukturen, die verändert werden können.
Statt sich allein an Vermögen und Erfolg zu orientieren, sollten Menschen wieder fragen, wie sie wirklich leben möchten – und welche Werte eine lebenswerte Gesellschaft tragen.