Mit tausenden Satelliten im Weltraum sichern Elon Musk und Jeff Bezos für die USA die Vorherrschaft ab, andere Grossmächte versuchen nachzuziehen. Eine ARTE-Dokumentation zeigt die Beherrschung ökonomischer, staatlicher und militärischer Infrastrukturen, um Rohstoffe und Absatzmärkte.

Screenshot aus der ARTE Doku

Der Kampf um die Kontrolle des Internets, mobilen Funks und der Daten nimmt eine neue Dimension an. ARTE nennt es eine Satelliten-Schlacht zur Beherrschung ökonomischer, staatlicher und militärischer Infrastrukturen. Es ist ein Kampf um Rohstoffe und Absatzmärkte.

Mit tausenden Satelliten im Weltraum sichern Elon Musk und Jeff Bezos für die USA die Vorherrschaft ab, andere Grossmächte versuchen nachzuziehen. Welche brisante Bedrohung dies für Mensch und Natur darstellt, dokumentiert ARTE. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften warnt in ihrem Bericht «Digitalisierung, Vulnerabilität und (kritische) gesellschaftliche Infrastrukturen. Entwicklungsstand, Trends und zentrale Herausforderungen» vor den nicht beherrschbaren Folgen der Satelliten-Schlacht der Grossmächte im Weltraum. Die Satelliten senden, empfangen und steuern mit Funksignalen, auch mit 5G.


Die Satelliten-Schlacht 
Regie: Véronique Preault / Damien Vercaemer / Land Frankreich Jahr 2023
https://www.arte.tv/de/videos/105563-000-A/die-satelliten-schlacht/


ARTE schreibt dazu: «Ein neuer Wettlauf ums All hat begonnen, der das geopolitische Gleichgewicht bedroht. Tech-Milliardär Elon Musk hat bereits 3.000 Satelliten in den Weltraum geschickt, um an jedem Ort der Erde Internet verfügbar zu machen. Dies verleiht Musk ein erhebliches geopolitisches Gewicht und zwingt China und Europa dazu, sich ebenfalls an diesem Wettlauf zu beteiligen.»

Zu Beginn des Ukraine-Krieges habe ihn Präsident Wolodymyr Selenskyj gebeten, seinem Land Starlink-Terminals zur Verfügung zu stellen, um die von Russland bombardierten Kommunikationsnetze zu ersetzen.

Es ist Zeit, den Blick nach oben zu richten.

ARTE weiter: «Seit Beginn der russischen Invasion schüren zudem Cyberangriffe die Angst der Ukrainer, von der Welt abgeschnitten zu werden. Das Internet ist zu einer strategischen Waffe für Staaten geworden, terrestrische Kommunikationsnetze sind anfällig für militärische Angriffe.

Satelliten bieten sich als Ausweg an. Musk erlangte als ´Retter` ein solches geopolitische Gewicht, dass die Staaten dringend handeln müssen, wenn sie verhindern wollen, dass künftig eine Privatperson das Internet kontrolliert.» 

Neben Musk versuche auch Amazon-Gründer Jeff Bezos, sich auf diesem Markt zu etablieren. China und Europa legen daher immer neue Projekte auf, um ihren eigenen Einfluss zu sichern, während die Schwellenländer aufgrund der exorbitant hohen Kosten zunehmend das Nachsehen haben.

China folgt mit eigenem Kommunikationsnetz für vernetzte Gegenstände (IoT) mit 13.000 Satelliten. In der Dokumentation heisst es: «Insgesamt sind es 95 Länder, die derzeit Satelliten im Weltraum betreiben, darunter Grossbritannien, USA, China, Russland.»

In Europa wurde 2022 der Aufbau einer eigenen Satellitenkonstellation Iris² (Infrastructure for Resilience, Interconnection and Security by Satellites) beschlossen, um die starke Abhängigkeit zu Satellitensystemen von Drittstaaten zu verringern. Dabei geht es sowohl um staatliche als auch wirtschaftliche Interessen. Iris² soll auch kommerziell nutzbar sein. Der Fahrplan zur Umsetzung des Systems bis 2027 gilt unter Experten allerdings als sehr ambitioniert.

Schätzungen zufolge werden in zehn Jahren 100.000 bis 200.000 Satelliten die Erde umkreisen.

ARTE: «Schätzungen zufolge werden in zehn Jahren 100.000 bis 200.000 Satelliten die Erde umkreisen – statt 6.800 bis Ende 2022. Wie wird sich diese Kolonialisierung der niedrigen Erdumlaufbahn auswirken? Wird ein Moratorium für Satellitenkonstellationen benötigt? Können die aktuellen Entwicklungen noch rückgängig gemacht werden? Weltraumorganisationen befürchten bereits ein steigendes Risiko diplomatischer Krisen aufgrund der zahlreichen Satelliten. Zudem warnt die NASA, Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde könnten zu spät entdeckt werden. Und Astronomen befürchten, dass Sterne immer schwieriger zu sehen sein werden. Ein neues Kapitel des Wettlaufs ums All hat begonnen, mit nie dagewesenen Auswirkungen auf unser Leben.»

Greg Wyler, Gründer von OneWeb, sagt in der ARTE Dokumentation: «Wir sind dabei, unseren Planeten zu zerstören, und auf die gleiche Weise zerstören wir den Raum um unseren Planeten herum. Es ist Zeit, den Blick nach oben zu richten. Im Weltraum werden Imperien errichtet, um die Welt zu beherrschen. Eine neue Bedrohung - für Staaten und Bürger.»

 

Satelliten-gesteuerte zivile Infrastrukturen

In der Dokumentation wird auch das Entstehen neuer, relativ verborgener Abhängigkeiten durch erhöhten Vernetzungsgrad gezeigt. Die technologische Abhängigkeit wird durch die stärkere Nutzung von Satellitensystemen in der Infrastruktur grösser werden. Bereits heute nutzen viele Anwendungen Satellitensysteme zur Navigation, Kommunikation, Erdbeobachtung sowie zur Synchronisation von Computernetzwerken.

Da auch etwa Umspannwerke per Satellit synchronisiert werden, ist dies für die Steuerung des Stromnetzes ebenso relevant wie für Bahn und Flugverkehr, aber auch für die Abwicklung von Finanztransaktionen im Börsenhandel, die Koordinierung von Einsatzkräften im Katastrophenschutz oder im militärischen Bereich. Ein Problem dabei ist wie so oft die Abhängigkeit von Technologiebetreibern.

 

Satelliten als Kriegswaffe

Welche Auswirkungen die Störung eines Satellitensystems auf Infrastrukturen haben kann, zeigt die Dokumentation anhand des Angriff auf das US-Unternehmen Viasat kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022: Dessen Satellitennetz KA-SAT wurde gezielt gestört, wodurch der Betrieb mehrerer Tausend Windkraftanlagen in Deutschland beeinträchtigt wurde. 

Doch allein die Abhängigkeit von Satellitenbetreibern kann problematisch sein, auch wenn es gar nicht zu einem Angriff kommt – vor allem wenn diese über eine starke Machtstellung verfügen. Im Ukrainekrieg spielt etwa Elon Musks Unternehmen SpaceX mit seinem Satellitennetzwerk Starlink eine militärische Rolle. Diese kann von Seiten des Unternehmens spontan eingeschränkt werden. Somit kann ein nichtstaatlicher Akteur einen grossen Einfluss auf einen militärischen Konflikt ausüben – eine neue Dimension in der Kriegsführung.