Panik im Zapfenland – der PCR-Test, einfach erklärt

Auf der Jagd nach Alkoholkranken finden Sie einen Korkzapfen. Was können Sie daraus ableiten?

(Bild: John Murzaku / unsplash.com

Sie suchen Alkoholkranke, inspizieren eine Wohnung und finden den Korken einer Weinflasche. Als Alkoholdetektiv bieten sich Ihnen verschiedene Hypothesen an:

  • Der oder die Bewohnerin ist alkoholabhängig.
  • Der oder die Bewohnerin ist zur Zeit beschwipst, betrunken oder gar im Delirium.
  • Vielleicht verleitet der oder die Bewohnerin andere zum Trinken.
  • Möglicherweise hat er oder sie seine Alkoholkrankheit längst überwunden und beim Aufräumen den Korken übersehen.
  • Vielleicht werden in einem Nebenzimmer bei einem edlen Tropfen philosophische Gespräche geführt.

Das Einzige, was Sie mit relativer Sicherheit feststellen können: Hier wurde irgendwann eine Flasche Wein geöffnet. Vermutlich wurde der Wein getrunken, möglicherweise auch zum Kochen verwendet.

Als überzeugter Kämpfer gegen den Alkohol vermuten Sie das Schlimmste: eine akute Alkoholkrankheit. Sie veranlassen eine Absonderung der Person (Quarantäne oder Isolation) und suchen sofort in weiteren Wohnungen nach Korkzapfen.

Sie werden fündig und publizieren die Zahlen: heute zehn, morgen zwanzig, übermorgen vierzig – ein exponentieller Anstieg. Aber wovon? Eine Zunahme der Berauschten, der Alkoholkrankheit, der Geselligkeit oder einfach eine Intensivierung der Korkensuche?

Weil das Korkenbewusstsein der Alkoholdetektive bereits um sich gegriffen und die ganze Bevölkerung benebelt hat, wird diese Frage gar nicht mehr gestellt. Der Korken erklärt alles und rechtfertig jenes – Isolation, Medikamente gegen Alkoholmissbrauch, Entzugskliniken für die Besitzer alter Korkzapfen. Dort warten sie geduldig auf die Bestätigung, dass sie nicht alkoholkrank sind.

Die Geselligkeit verkümmert, schliesslich könnte jeder unbemerkt Korkenkrümel hinterlassen.

Eine ganze Verwaltung zur Bekämpfung von Korkzapfen wird hochgefahren. Die Bevölkerung wird angehalten, sich von Zapfenbesitzern fernzuhalten – jeder könnte einer sein. Man wird gezwungen, sich vor dem Einatmen möglicherweise alkoholisierter Luft zu schützen. Die Geselligkeit verkümmert, schliesslich könnte jeder unbemerkt Korkenkrümel hinterlassen.

Die Medien vermelden täglich die neusten Korkdaten, berichten über Super-Krümel und besuchen die paar echten Alkoholkranken am Sterbebett. Schaut her: So schrecklich ist die Korken-Krankheit!

Eine Korkenangst legt sich über das Land und alle warten auf ein Wundermittel gegen die Zapfengefahr. Es darf viel kosten und Nebenschäden werden in Kauf genommen. Wenn nur endlich der Krümelterror aufhört!

Wenn Ihnen der Blick ins Zapfenland bekannt vorkommt, ist dies kein Zufall. Die Nähe der Pandemie zur Korkenpanik ist enger als man denkt. Zwei Säulen tragen die aktuelle Corona-Pandemie:

  • Das Sars-Cov-2-Virus, das zu Atemwegserkrankungen mit leicht erhöhter Sterblichkeit führt. Mehr als sonst üblich, aber weit weniger als in einem starken Grippejahr. Betroffen sind vor allem Menschen am statistischen Ende ihrer Lebenserwartungen mit Vorerkrankungen.
  • Der PCR-Test, der mit einem raffinierten Vervielfältigungsverfahren ein Bruchstück des Sars-Cov-2-Virus feststellt, das lediglich 300 der insgesamt 30‘000 aneinandergereihten molekularen Bausteine ausmacht.

Vom Vorhandensein dieses Bruchstücks – der Korken in der vorangehenden Geschichte – wird zum Einen auf die Präsenz des Virus zum Zeitpunkt der Probeentnahme geschlossen und zum Andern auf seine infektiöse Wirkung.
Beide Schlüsse sind hochproblematisch und ohne wissenschaftlichen Beleg.

Einerseits ist das Bruchstück sehr langlebig. Man kann es einfrieren, auftauen und messen, dann wieder einfrieren, auftauen und messen – es bleibt über Monate intakt und feststellbar. Das Virus, von dem es stammt, ist unter Umständen längst zerfallen, zerstört von Antikörpern oder aufgefressen von den T-Zellen.

Zudem hängt das Resultat des PCR-Tests von den Vervielfältigungszyklen ab. Je höher die Zahl, desto kleiner kann der Krümel sein, um noch auf einen ganzen Korken zu schliessen. Die Anzahl der Zyklen ist übrigens nicht standardisiert. Jedes Labor macht es auf seine eigene Art.

Viren haben, je nach Milieu und Reaktion des Wirts eine Lebensdauer von wenigen Tagen. Entweder wird das Virus durch die Krankheit besiegt – ein Symptom der Abwehrreaktion – oder es verschwindet. Es gibt auch Ausnahmen: Das Herpes-Virus bleibt lebenslang in einer Art schlafendem Zustand im Körper und kann jederzeit aktiviert werden.  

Andererseits ist das Bruchstück auch nicht infektiös. Es sind nur die sich vermehrenden Viren, die eine Krankheit auslösen. Die Bruchstücke sind einfach da, zusammen mit Billionen von anderen Molekülen, die in unserem Körper herumschwimmen und früher oder später ausgeschieden werden, wenn sie nicht gebraucht werden.

Der PCR-Test misst also nur ein Überbleibsel des Virus – den Korken, nicht den Wein. Das Virus könnte durchaus noch da sein und eine Krankheit auslösen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist viel grösser, dass es ein Souvenir des Besuchs eines Virus ist, das in der Vergangenheit Symptome ausgelöst hat – oder auch nicht.

Da das Coronavirus immer noch in der Bevölkerung herumgeistert – dank den Unterdrückungsmassnahmen haben wir ja die Herdenimmunität noch nicht erreicht –, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, Bruchstücke zu finden und positive PCR-Testresultate zu erzeugen. Ein Hinweis auf Infektiösität oder gar eine Ausbreitung der Pandemie ist dies freilich nicht.

Dass von den Bruchstücken keine Gefahr ausgeht, wissen natürlich auch die Behörden. Sonst würden sie noch so gerne berichten, wieviele von den positiv Getesteten tatsächlich krank werden. Tun sie aber nicht.

Die Zahlen müssen für die Pandemiemanager so deprimierend sein, dass sie sie nicht einmal wissen wollen. Es wird zwar kontrolliert, dass Quarantäne und Isolation eingehalten werden. Aber ob die Menschen Symptome entwickeln, geschweige denn krank werden, interessiert die Virenjäger in den Tracing-Abteilungen nicht. Hauptsache: weg vom Fenster.

Warum sich die Politiker nicht um das Bisschen Wissenschaft hinter dem PCR-Test kümmern, ist ein Rätsel. In manchen Gebieten, zum Beispiel in meinem Wohnkanton, verordnen nicht einmal die vom Volk gewählten Regierungen die Massnahmen, sondern Angestellte ohne Status (und Pflichten!) von Beamten. Und die Maskenpflicht wird u.a. damit begründet, die Tracing-Abteilungen vor Überlastung zu schützen. Viel sinnvoller wäre es, ein paar Leute einzustellen, anstatt die Bevölkerung zur Maske zu zwingen.

Denn die Maske schützt kaum und schadet eher. Sie ist damit eine sinnlose, symbolische Massnahme. Wer sich der Maskenpflicht unterzieht, schadet also seiner geistigen und politischen Gesundheit. Warum?

Um eine sinnlose, symbolische Handlung auszuführen, muss man zwei gefährliche Dinge tun: Den Verstand abschalten und den freien Willen unterdrücken, das Fundament der Demokratie. Ist es das, was die Regierungen wollen?

Die Maske ist der moderne Gesslerhut, dem die Bewohner der Urschweiz huldigen mussten, zum Zeichen der Unterwerfung unter das Diktat der Habsburger. Indem sie sich weigerten, verwandelten sie sich in Eidgenossen und stellten in der Folge einen Demokratieweltrekord auf: Die Hälfte der Volksabstimmungen auf der Erde bis dato fanden in dem kleinen Alpenland statt, das sich bis heute offiziell «Schweizerische Eidgenossenschaft» nennt. Aber die Gefahr, dass sie sich in ein Zapfenland verwandelt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Im Zapfenland gilt dann nicht mehr das Gesetz, sondern – um im Bild zu bleiben – die Etikette auf der Weinflasche. Na dann: Prost!

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Geni Hackmann ist das Pseudonym eines Autors, der seit über 25 Jahren für den Zeitpunkt in die Tasten haut.