Finanziert von Tech-Investoren wie Peter Thiel und mitgegründet vom Anwalt Aron D’Souza, positioniert sich die Plattform als private Schiedsinstanz: Nutzer können gegen Medienberichte klagen, während eine «KI-Jury» Fälle prüft und Urteile fällt.
Das System kombiniert menschliche Ermittlungen – unter Verweis auf ehemalige Geheimdienstmitarbeiter – mit mehreren KI-Modellen, die Beweise gegeneinander abwägen. Das Ergebnis sind scheinbar objektive Urteile samt «Honor Index», einer Kennzahl zur Bewertung einzelner Journalisten. Gegen Bezahlung können Verfahren angestossen werden, was dem Modell eine marktwirtschaftliche Logik verleiht.
Obwohl die Entscheidungen keine rechtliche Bindung haben, inszeniert sich die Plattform bewusst mit Symbolen klassischer Justiz: Fallnummern, Prozesslogik und öffentliche Urteile suggerieren Autorität. Ziel ist es, Vertrauen in eine technologische Alternative zur etablierten Rechtsprechung aufzubauen – eine KI-Justiz ohne staatliche Kontrolle.
Kritisch ist dabei nicht nur die Fehleranfälligkeit von KI-Systemen, sondern auch der Eingriff in journalistische Standards: Reporter sollen sensible Quellen offenlegen, um ihre Arbeit «verifizieren» zu lassen. Gleichzeitig wächst im Umfeld ein politisches Narrativ, das traditionelle Medien delegitimiert.
Langfristig zielt das Projekt über Medien hinaus. Die Vision ist ein globales KI-Schiedsgericht, das Konflikte aller Art entscheidet – schneller, günstiger und vermeintlich objektiver als bestehende Institutionen. Damit entsteht nicht weniger als der Versuch, Rechtsprechung zu privatisieren und durch Algorithmen zu ersetzen.