Die Friedensbewegung setzt Schwerpunkte

Friedenspolitische Anliegen sollen im Fokus der bevorstehenden Kandidatur der Schweiz für den Sicherheitsrat stehen. Darin waren sich die 35 Teilnehmer der 3. Schweizerischen Friedenskonferenz einig, die heute in Olten stattfand. Ein weiterer Schwerpunkt der zwölf vertretenen Organisationen ist der Jai Jagat, der int. Friedensmarsch, der im vergangenen Oktober in Indien begann und im September in Genf endet.

Aus Corona-Gründen wurden die Friedenskonferenz teilweise über online-Schaltungen durchgeführt (Foto: Zeitpunkt)

Rund 50 friedenspolitische Organisationen gibt es in der Schweiz, die meisten klein, zum Teil überaltert und viele überfordert von den vielen Feldern, die beackert werden wollen. In einer solchen Situation ist die Verbesserung der Zusammenarbeit das Gebot der Stunde, weshalb der Schweiz. Friedensrat – ursprünglich eine Art Dachorganisation der pazifistischen Bewegung – vor drei Jahren die Friedenskonferenz ins Leben gerufen hat, die alljährlich von einer anderen Organisation ausgerichtet wird.

Drei Themen standen dieses Jahr auf der Tagesordnung:

• Die Kandidatur der Schweiz für den Sicherheitsrat, die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga im Sommer vor der UNO-Vollversammlung deponieren will. Die Friedensorganisationen wollen sich dafür einsetzen, dass die Schweiz ihren Verfassungsauftrag «zur Linderung von Not und Armut in der Welt, zur Achtung der Menschenrechte» und «zu einem Zusammenleben der Völker» beizutragen (Art. 54), ernst nimmt. Dies sei eine «gute Gelegenheit, friedenspolitische Anliegen in die öffentliche Diskussion zu bringen und zu mobilisieren», meinte Markus Heiniger, ehem. Sekretär des Friedensrates und zuletzt 15 Jahre im Aussendepartement für menschliche Sicherheit zuständig.

• Der «Jai Jagat», der grosse Friedensmarsch der indischen Menschenrechtsorganisation «Ekta Parishad» endet nach einjähriger Dauer im kommenden September mit einem Sternmarsch in Genf. Ziel des Marsches sind Gerechtigkeit und die Bekämpfung der Armut. Mehrere Äste führen durch die Schweiz, einer vom Simplon dem Genfersee entlang, ein anderer aus der Ostschweiz durchs Mittelland und ein dritter von Basel durch den Jura. Unterwegs gibt es Workshops, Versammlungen und Konzerte. Neben den Friedensorganisationen hat die Klima-Bewegung der Schweiz die Friedenswanderung zu einem der drei Top-Anlässe ihrer Kampagne gemacht. Erwartet werden je nach Wochentag 150 bis 500 Teilnehmer. Für das abschliessende Friedensfestival in Genf werden mehrere tausend Teilnehmer aus der ganzen Welt erwartet.

• Beim Aufbau eines schweizerischen Friedenszentrums erreichte die Friedenskonferenz im Gegensatz zu den beiden anderen Geschäften keine Einigkeit. Knacknuss ist der Finanzbedarf – die Friedenskonferenz verfügt (noch) nicht über eigene Mittel. Immerhin soll die gemeinsame Informationsarbeit verstärkt werden. Zur Diskussion steht eine Friedenszeitung im Hinblick auf den Jai Jagat und den 150. Geburtstag von Mahatma Gandhi am 2. Oktober, dem Tag der Gewaltlosigkeit.
Ueli Wildberger, seit Jahrzehnten Friedensaktivist in verschiedenen Organisationen wünscht sich zudem eine gemeinsame Lobbyorganisation, damit die vielen kleinen Friedensorganisationen von der Politik und den Behörden besser wahrgenommen werden. Eine alljährliche Friedenswoche, die von den verschiedenen Organisationen mit eigenen Aktivitäten bespielt wird und eine Bündelung der Kräfte für gemeinsame Projekte stehen weiter auf seiner Wunschliste.

Die beiden Moderatorinnen der Konferenz, Mi Müller von der «Friedenskraft» und Monika Wicki vom Friedensrat, zeigten sich sehr befriedigt von der guten Stimmung an der Konferenz, die sich langsam im Friedenskalender zu etablieren scheint. Sie sortieren jetzt die vielen Vorschläge, die in den Gruppenarbeiten diskutiert wurden. Was mit ihnen geschieht, ist dann Sache der einzelnen Organisationen.

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Christoph Pfluger

Submitted by reto on Do, 07/13/2017 - 08:33

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. "Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen".

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