BFS: Kompetenzproblem oder Unabhängigkeit verloren?

Erneute Pannenserie beim Bundesamt für Statistik (BFS) wirft Fragen auf.

Der Chef des BFS Georges-Simon Ulrich beim UN-World Data Forum (Bildquelle iisd.org)
Der Chef des BFS Georges-Simon Ulrich beim UN-World Data Forum (Bildquelle iisd.org)

Anfang November veröffentlichte das BFS anlässlich der Medienkonferenz zur Schweizerischen Gesundheitsbefragung auf ihrer Webseite falsche Daten. Diese zeigten eine erschreckende Zunahme von Krebserkrankungen, Herzinfarkten und Schlaganfällen um das Vier- bis Fünffache. Trotz der Brisanz der Daten wurde das Thema weder in der Medienkonferenz noch in der Berichterstattung aufgegriffen. 

Erst sechs Tage später hat das BFS die Daten entfernt und in einer Randnotiz erklärt, dass die Daten nicht mit 2017 vergleichbar wären. Eine Recherche zur neusten Panne beim BFS zeigt, dass beim Statistikamt offensichtlich nicht nur systematische Qualitätsprobleme bestehen, sondern dass berechtigte Zweifel betreffend dessen Kompetenz und Unabhängigkeit angebracht sind.

Bereits die sehr positive Interpretation der Resultate zur Gesundheitsbefragung 2022 hätte die Medien veranlassen müssen, sich ein eigenes Bild zu den Resultaten der Befragung zu machen. Hatte die Pandemie tatsächlich keine anderen Spuren beim Gesundheitszustand der Schweizer Bevölkerung hinterlassen, als die in den Mittelpunkt gerückte Zunahme der psychischen Belastung bei jungen Frauen seit der letzten Befragung 2017? 

Wie konnte das BFS hier nur die Übersicht verlieren?

Nur schon der hohe Anstieg der Krankenkassenprämien sollte uns an diesem Befund zweifeln lassen. Aber wie entwickelten sich nun die sehr kostenintensiven und häufig tödlichen Erkrankungen Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall tatsächlich?

Das BFS weiss es nicht! Eine Zunahme um Faktor 4 bis 5 bei diesen Erkrankungen, wie fälschlicherweise publiziert, kann tatsächlich nicht der Realität entsprechen. Aufgrund der vielen Meldungen aus medizinischen Netzwerken über eine Zunahme von Herzstillständen, Thrombosen und Turbokrebs ist jedoch von einem erheblichen Anstieg bei diesen drei Erkrankungen auszugehen. Auch die international verzeichnete Zunahme der Übersterblichkeit seit 2021 deutet eindeutig auf eine Zunahme von tödlichen Erkrankungen hin. Wie konnte das BFS hier nur die Übersicht verlieren?

 

Die Qualitätssicherung ist nur eines der Probleme beim BFS

Gemäss dem BFS ist der Fehler in den publizierten Daten dadurch entstanden, dass zwischen 2017 und 2022 die Frage nach einer Erkrankung bei Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall abgeändert wurde. Der erfragte Zeitraum für diese Erkrankungen oder deren Behandlung wurde von den letzten 12 Monaten (Jahresprävalenz, 2017) auf die gesamte Lebensspanne (Lebenszeitprävalenz, 2022) ausgeweitet. Damit hat sich die Zahl der erfassten Ereignisse um ein Vielfaches erhöht. 

Versehentlich wurden dann jedoch in beiden Tabellen dieselbe Frage aufgeführt, was den Eindruck erweckte, die Daten wären vergleichbar. Bei der Publikation sind also 2 Fehler passiert. Erstens hätten die Daten zu dieser Frage aufgrund der unterschiedlichen Fragestellung schon gar nicht publiziert werden sollen. Und dann wurde in den Daten von 2017 auch noch eine Frage aufgeführt, die so nicht gestellt wurde. 

Die Korrektur benötigte 6 Tage und wurde nur mit einer kleinen Randnotiz kommentiert. Diese erneuten Fehler nach der Wahlpanne im Oktober deuten auf ein schlechtes Qualitätsmanagement hin.

 

Hat das BFS ein Kompetenzproblem?

Die besorgniserregendste Panne ist jedoch die Änderung der Fragestellung zu Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall inmitten der grössten Gesundheitskriese seit 100 Jahren und einer anhaltenden Übersterblichkeit. 

Mindestens 3 fachliche Gründe sprachen gegen diese Änderung: Erstens wird durch diese Änderung die Vergleichbarkeit der Daten verunmöglicht. Zweitens werden die Werte durch die lange Zeitspanne für zukünftige Vergleiche viel ungenauer. Und Drittens erfassen die verfügbaren Monitoringsysteme den 12-Monats-Zeitraum. Nur für Krebs gibt es eine zusätzliche Schätzung der 5-Jahres Prävalenz, was gemäss Deutschem Krebsforschungszentrum ein internationaler Standard ist.

Weshalb opfert man die Vergleichbarkeit für einen ungenauen Wert, den niemand verwendet?Auf Anfrage begründete das BFS die Änderung der Frage bei den 3 Krankheiten mit einer Empfehlung von externen Experten und der Definition von chronischen Krankheiten der WHO. Die Nachfragen, ob man die Experten benennen könne, ob die WHO einen Einfluss auf die Befragung nimmt und wo bereits Daten zur Lebenszeit-Prävalenz bestehen, wurden nicht beantwortet. 

Stattdessen wurde das Narrativ geändert. Nun war die Begründung, dass man mit dem 12-Monats-Zeitraum bei diesen 3 Krankheiten zu wenig Fälle hätte, um zuverlässige Aussagen zu machen. Das BFS hat jedoch seltsamerweise Fragen zu anderen Krankheiten mit vergleichbarer Fallzahl wie zum Beispiel chronische Bronchitis nicht verändert.

 

Nachweislich irreführende Kommunikation des BFS-Chef

Der Chef des BFS, Georges-Simon Ulrich, hatte die Medien am 3. November mit folgender Aussage sichtlich getäuscht: «Das BFS führt diese Umfrage seit 1992 alle 5 Jahre durch, damit man zeitliche Vergleiche machen kann. Diese Vergleichbarkeit über die Jahre ist sehr wichtig, um Veränderungen zum Gesundheitszustand und dem Gesundheitsverhalten zu erkennen und belegen.» 

Und weiter: «Es war uns wichtig 2022 die gleiche Erhebungsmethode zu verwenden wie die Jahre zuvor. Die Resultate sind deshalb gut mit den Jahren zuvor vergleichbar.»

In einem Interview mit dem SRF äusserte Georges-Simon Ulrich am 20. Oktober zudem sinngemäss, dass es zum Beispiel nicht ausreicht, nur ein Krebsregister zu haben, man brauche auch Basisdaten der Bevölkerung. Mit der Verknüpfung dieser Grundlagendaten könne man dann sehr viel mehr aussagen.

Der Chef des BFS weiss, wovon er spricht. Er war über zehn Jahre beim Meinungsforschungsinstitut GFS tätig und zuletzt deren Geschäftsführer. Weshalb war das BFS unter seiner Führung an diesen zusätzlichen Daten und einem Vergleich nicht interessiert?

 

Seit 2021 ist beim BFS ein unübliches Muster erkennbar

Ein Blick auf einige auffällige und unübliche Praktiken der letzten 2 Jahre weisen auf ein Muster hin. Ende 2021 hat man die zu erwartenden Todesfälle bei den unter 65-Jährigen entgegen dem langjährig rückläufigen Trend um massive 7 Prozent erhöht. Dies nachdem in den Monaten zuvor eine ungewöhnlich häufige Übersterblichkeit zu beobachten war. 

Im Folgejahr gab es aufgrund dieser massiven Erhöhung keine Übersterblichkeit mehr (dazu finden Sie hier zusätzliche Informationen).

Grafik

Abbildung 1: Die grünen Markierungen zeigen die ungewöhnlich hohen Anpassungen bei den Erwartungen der Sterblichkeit durch das BFS (graues Band). Die Korrekturen wurden offensichtlich vorgenommen ohne die Ursachen für die ungewöhnlich langanhaltende (70 Wochen bei +65-Jährigen), hohe Sterblichkeit zu klären. Quelle: BFS

 

Im August 2022 behauptete das BFSim Jahr 2020 wären noch wesentlich mehr Menschen an Covid-19 gestorben, als vom BAG ausgewiesen wurde. Wenige Monate zuvor hatte Bundespräsident Cassis im SRF jedoch eingestanden, dass die erfassten Zahlen in den Spitälern aufgrund der Richtlinien der WHO nicht den Tatsachen entsprechen. Auch bei den offiziellen Covid-19-Toten wurde im gleichen Stil übertrieben, weshalb die Definition «mit oder an Covid-19 gestorben» weit verbreitet war. 

Weshalb hinterfragten die Statistiker des BFS die unsinnige WHO-Richtlinie nicht, die zur falschen Datenerfassung anleitet und somit zu gefälschten Statistiken führt, sondern vergrössern die Übertreibung noch?

Ende 2022 hat das BFS dann auch bei den über 65-Jährigen die zu erwartenden Todesfälle für das Folgejahr massiv erhöht, ohne die Ursachen für die hohe Übersterblichkeit 2022 zu erörtern. Somit hatte man auch in dieser Altersklasse das Problem der Übersterblichkeit «gelöst» und aus der öffentlichen Diskussion entfernt. 

All diese Praktiken hatten offensichtlich das Ziel, Covid-19-Tote zu maximieren und Übersterblichkeit nach Beginn der Covid-19-«Impfung» zu minimieren.

 

Dieses Muster führt uns zwangsläufig zur WHO

Die WHO hat ähnlich wie das BFS immer wieder versucht, möglichst viele der unerwarteten Todesfälle Covid-19 zuzuschreiben. Ein anschauliches Beispiel dafür findet sich in der WHO-Weltgesundheitsstatistik 2022 vom Mai 2022. Mit der Grafik in Abbildung 2 hatte man ebenfalls versucht, einen Grossteil der Übersterblichkeit Covid-19 zuzuschreiben. Im linken Teil der Grafik ist jedoch eindeutig zu sehen, wie die weltweite Übersterblichkeit (blaue Kurve) erst ab Mitte Jahre einsetzte, also lang nach der ersten Welle. Erst mit den weltweit strengen Massnahmen in der zweiten Jahreshälfte sind 5 Millionen Menschen unerwartet verstorben.

2021 sind trotz gross angelegter «Impfkampagne» und beibehaltenen Massnahmen sogar 10 Millionen Menschen unerwartet verstorben. Wie sie in dem linken Kreisdiagramm sehen können, hatte Indien den grössten Anteil an der Übersterblichkeit. Im bevölkerungsreichsten Land der Welt begann das unerwartete Sterben allerdings erst mit Beginn der Covid-19-«Impfung» ab April 2021 und verursachte ab Mai 2021 so viele Todesfälle, dass Sie den Anstieg sogar in den globalen Zahlen auf der rechten Seite der Grafik erkennen können. Berechnungen gehen alleine für Indien von 3.7 Millionen «Impftoten» aus.

Die Grafik war so unvorteilhaft für das «Impfnarrativ» der WHO, dass in der neuen Weltgesundheitsstatistik 2023 auf diese Grafik verzichtet wurde.

Grafik 2

Abbildung 2: Die in der WHO-Weltgesundheitsstatistik 2022 publizierten globalen Zahlen zur Gesamtsterblichkeit zeigen links die Übersterblichkeit pro Land für 2020 und 2021 und rechts die Übersterblichkeit (blau) im Vergleich zu den Covid-19 Todesfällen (violett) auf. Die Übersterblichkeitskurve zeigt, dass erst Mitte 2020 eine Übersterblichkeit einsetzte und 5 Millionen erreichte, während sie 2021 mit 10 Millionen doppelte so hoch ausfiel.

 

Brisanterweise diskutierten nach Bersets Rede vier Forumsteilnehmer und zwei Journalisten im Eröffnungspodium darüber, dass gute Daten für die Transformation der Gesellschaft nicht ausreichen, sondern dass es gute Narrative braucht. Einige Wochen später hat das BFS die erste ungewöhnliche Anpassung der Sterblichkeitserwartung vorgenommen.

 

Hat das BFS seine Unabhängigkeit verloren?

Aber weshalb stützt das Bundesamt für Statistik mit seinen 876 Mitarbeitern und einen Jahresaufwand von 190 Millionen Franken ein Narrativ, dass die Zahlen längst widerlegen? Könnte die Rolle des BFSChef in der UN-Statistikkommission hier einen Einfluss haben? Im Herbst 2021 wurde die Tagung dieser Kommission, das UN-World Data Forum, in Bern organisiert. 

Bundesrat Alain Berset hatte als oberster Chef des BFS in der Eröffnungsrede betont: «Es gibt eine Menge gefälschter Statistiken. Sie zerstören die öffentliche Wahrnehmung und machen es extrem schwierig, rationale Debatten zu führen. Debatten, auf die wir besonders während einer Pandemie angewiesen sind.»

Das Beispiel der WHO zeigt, dass nicht nur falsch erhobene Statistiken auf Anweisung der WHO die öffentliche Wahrnehmung zerstören und rationale Debatten erschweren. Es sind auch die selektiv ausgewählten und interpretierten Daten und die darauf aufgebauten gefälschten Narrative. Brisanterweise diskutierten nach Bersets Rede vier Forumsteilnehmer und zwei Journalisten im Eröffnungspodium darüber, dass gute Daten für die Transformation der Gesellschaft nicht ausreichen, sondern dass es gute Narrative braucht. Einige Wochen später hat das BFS die erste ungewöhnliche Anpassung der Sterblichkeitserwartung vorgenommen.

BFS-Chef Georges-Simon Ulrich wurde Anfang 2022 zum Vizepräsidenten der UN-Statistikkommission gewählt und 2023 erneut bestätigt. Gemäss BFS ist er damit Vizepräsident des obersten Organs des internationalen Statistiksystems. Aufgrund der beschriebenen Vorgänge drängt sich die Frage auf, wie unabhängig das BFS mit der Doppelrolle von Georges-Simon Ulrich tatsächlich noch ist? 

In Anbetracht der international zunehmenden Forderungen nach Untersuchungsausschüssen zu den fatalen Folgen der Corona-Massnahmen und Covid-19-«Impfkampagnen» muss auch die Schweiz endlich eine gründliche Aufarbeitungstarten. Nach dem BAG sind nun auch beim BFS Ruf und Vertrauen am Erodieren. Es besteht dringender Handlungsbedarf für den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Alain Berset.


Dieser Beitrag ist zuerst auf coronagate.blog/ erschienen.