«Die Wucht, mit der gegen unsere Initiative vorgegangen wurde, sitzt uns noch in den Knochen.» Einen Monat nach dem Volksentscheid vom 27. September zeigt sich Franziska Herren in einem Brief an ihre Unterstützer erschüttert, aber nicht resigniert. Mit 72,5 Prozent Nein wurde die Ernährungsinitiative verworfen.
Mit Cervelat, Spiegelei und Fonduegabel warnten die Gegner vor einem angeblichen «Vegan-Zwang». Herren wirft Bundesrat, Parlament und Nein-Allianz irreführende Behauptungen vor. Sie stand fast allein: Kein Parlamentsmitglied unterstützte die Vorlage, auch grosse Umweltverbände hielten Abstand.
Das Bittere aus ihrer Sicht: Die Anliegen fanden durchaus Zustimmung. In der SRG-Umfrage befürworteten 78 Prozent das Argument, die Wasservorkommen müssten besser geschützt werden; 71 Prozent sahen die Importabhängigkeit bei Lebensmitteln als Problem, 62 Prozent den Nutzen artenreicher, bodenschonender Landwirtschaft. Zustimmung zu einzelnen Argumenten bedeutete aber keine Zustimmung zur Initiative.
Herren und ihr Verein «Sauberes Wasser für alle» wehrten sich juristisch gegen die Abstimmungsinformationen des Bundes. Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde nicht ein: Die beanstandeten Akte des Bundesrats sind grundsätzlich nicht anfechtbar. Ob die Aussagen sachlich richtig waren, prüfte es deshalb nicht.
Für Herren ist die Sache damit nicht erledigt. Sie fordert eine Landwirtschaft, die die Bevölkerung auch bei Importausfällen ernähren kann, und eine nationale Sicherung der Trinkwasserversorgung. Eine Beschwerde beim Wirtschaftsdepartement und ein Gesuch um Einsicht in Unterlagen zur Landesversorgung sollen Klarheit schaffen. Auch bei der Agrarpolitik ab 2030 will sie mitreden.
«Nur Nein sagen genügt nicht», lautet ihre Botschaft. Nach dem klaren Volksentscheid bleibt die Frage, wie die Schweiz Ernährung und sauberes Wasser langfristig sichern will.