Israel will die Todesstrafe wieder einführen – betroffen wären vor allem Palästinenser
Der globale Trend gegen die Todesstrafe droht zu kippen. die Menschenrechtsorganisation ACAt lanciert eine Briefaktion
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Die weltweite Abschaffung der Todesstrafe galt lange als Fortschrittsgeschichte. Heute haben 145 Staaten – rund drei Viertel aller Länder – die Todesstrafe gesetzlich oder in der Praxis abgeschafft. Vor drei Jahrzehnten waren es erst etwa 60 Staaten. Doch dieser positive Trend zeigt zunehmend Risse.

Zum einen steigt die Zahl der Hinrichtungen wieder an. 2024 wurden weltweit so viele Menschen hingerichtet wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr, und 2025 setzte sich diese Entwicklung fort. Zum anderen beobachten Menschenrechtsorganisationen mit Sorge, dass in mehreren Ländern die Todesstrafe erneut politisch diskutiert oder sogar wieder eingeführt wird.

Besonders im Fokus steht derzeit Israel. Die Knesset verabschiedete im November 2025 in erster Lesung einen Gesetzentwurf, der eine obligatorische Todesstrafe für verurteilte Terroristen vorsieht. Kritiker warnen, dass ein solches Gesetz in der Praxis vor allem Palästinenser:innen betreffen würde. 
Hinzu kommt die Möglichkeit, dass Militärgerichte Todesurteile gegen Zivilpersonen verhängen könnten – etwa im besetzten Westjordanland, wo faire Verfahren nicht garantiert sind.

Die Schweizer Menschenrechtsorganisation ACAT reagiert mit deutlicher Kritik. In einer aktuellen Briefaktion fordert sie Israel auf, den Gesetzesentwurf vollständig zurückzuziehen. „Die Todesstrafe darf kein politisches Instrument werden“, betont die Organisation. Tatsächlich wurde sie in Israel seit über 60 Jahren nicht mehr vollstreckt und galt bislang als faktisch abgeschafft.

Israel ist jedoch kein Einzelfall. In Taiwan wurde nach fünfjähriger Pause wieder ein Mensch hingerichtet. Die Demokratische Republik Kongo hob ihr Hinrichtungsmoratorium auf und weitete die Anwendung der Todesstrafe aus. Burkina Faso, das die Todesstrafe bereits abgeschafft hatte, führte sie Ende 2025 erneut ein – ein Rückschritt, der selbst langjährige Reformbemühungen zunichtemacht.

Die Gründe für diese Entwicklung liegen häufig in politischer Unsicherheit oder autoritären Tendenzen. Die Todesstrafe wird dabei oft als Zeichen von Härte inszeniert. Doch Fachleute sind sich einig: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass sie Verbrechen wirksam verhindert.

Menschenrechtsorganisationen warnen daher eindringlich vor einer Normalisierung dieser Praxis. Die Todesstrafe sei nicht nur irreversibel, sondern öffne auch Tür und Tor für Missbrauch und Fehlurteile. Gerade in Zeiten politischer Spannungen sei es entscheidend, rechtsstaatliche Prinzipien zu verteidigen.

Der weltweite Trend zur Abschaffung ist also keineswegs gesichert. Umso wichtiger erscheint es vielen Beobachtern, dass Staaten und Zivilgesellschaft gemeinsam gegen eine Rückkehr der Todesstrafe eintreten – und damit ein klares Signal für Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit setzen.

Zur Briefaktion von ACAT

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Aktion der Christen für eine Welt frei von Folter und Todesstrafe (ACAT)

ACAT-Schweiz ist ein Verein mit Sitz in Bern. Mittels Aktionen und Advocacy-Arbeit setzt sie sich für eine Welt frei von Folter, Todesstrafe und Verschwindenlassen ein.
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