Was kann ein kleines Land tun, wenn sich die grossen Mächte immer unerbittlicher gegenüberstehen? Mitrüsten, Partei ergreifen, sich einem Block anschliessen? Oder gerade dann auf jene Stärke setzen, die der Schweiz während Generationen eine besondere Rolle verschafft hat: Neutralität, Unabhängigkeit und die Fähigkeit, mit allen Seiten zu reden.
Darum geht es bei der Nationalen Kundgebung für Neutralität und Frieden am Samstag, 29. August, von 15 bis 17 Uhr auf dem Bundesplatz in Bern. Unter den Mottos «Nein zur NATO – Ja zur Neutralität» wollen die Veranstalter ein Zeichen gegen die zunehmende militärische und politische Blockbildung setzen.
Bemerkenswert ist die Breite der Redner: Der Völkerrechtsexperte Alfred de Zayas, Neutralitätsforscher Pascal Lottaz, die ehemaligen Generalstabsoffiziere Jacques Baud und Ralph Bosshard, Politologe Wolf Linder, Rechtsanwalt Philipp Kruse, der ehemalige Botschafter Jean-Daniel Ruch, SVP-Ständerat Pirmin Schwander, die Tessiner Grossrätin Maria Pia Ambrosetti, der kommunistische Grossrat Massimiliano Ay und Christoph Pfluger von der Bewegung für Neutralität. Begrüsst werden die Teilnehmenden von Urs Hans, Präsident von Public Eye on Science.
Gerade diese politische Spannweite macht deutlich: Neutralität lässt sich nicht in links und rechts einsortieren. Wolf Linder erinnert daran, dass die Neutralitätsinitiative von einem überparteilichen Komitee ausgearbeitet wurde. Pascal Lottaz warnt am Beispiel der Golfmonarchien davor, sich schon vor einem Krieg so eng mit einer Grossmacht zu verflechten, dass im Ernstfall keine glaubwürdige Neutralität mehr möglich ist.
Und Jean-Daniel Ruch bringt die eigentliche Aufgabe der Schweiz auf den Punkt: Sie solle «die Rolle des Neutralen als Brückenfunktion spielen» und dem Frieden dienen, wenn sie eine nützliche Rolle spielen wolle.
In einer Welt, in der Aufrüstung wieder als Sicherheitspolitik gilt, ist das eine fast ungewohnte Botschaft: Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass man sich hinter den vermeintlich stärksten Block stellt – sondern dadurch, dass man zwischen den Blöcken für Dialog und Frieden sorgen kann.
Am 29. August wird diese Idee für zwei Stunden auf dem Bundesplatz sichtbar.