Ein berufener Psychologe

Menschen aus dem Leben – Leo Hackl hat die Erfahrung gemacht, dass einem das Schicksal gut gesinnt ist, wenn man sich ihm nicht entgegenstellt. Nach schmerzhaften Rückschlägen fand er schliesslich seine Berufung. Denn der Psychologe ist bei seiner Arbeit seit zwanzig Jahren glücklich.

© Leo Hackl

«Mein Vater hatte ein Geschäft, besuchte bei seiner Tätigkeit regelmässig Architekten. Und weil ich ihn selten sah, sagte mein Unbewusstes: Wenn ich Architekt werde, muss er zu mir kommen, und so kann ich ihn öfters sehen», erinnert sich der heute über 70-jährige Leo Hackl. Das Alter sieht man ihm nicht an, seine blauen Augen strahlen förmlich vor Leidenschaft, seine Sprache ist schwungvoll und geistreich. Wegen seiner Begabung für Zeichnen und Kunst studierte Hackl schliesslich tatsächlich Architektur. Nach seinem Diplomstudium führte er das Baugeschäft seines Vaters, das mehr als zwanzig Mitarbeiter beschäftigte. Doch glücklich fühlte er sich dabei nie.

Während des Architekturstudiums an der ETH in Zürich wählte er nebst Musik das Wahlfach Sozialpsychologie. «Professor Hans Biäsch, Gründer des Instituts für angewandte Psychologie IAP, konnte mich für die Psychologie damals sehr begeistern.» Jahre später entschied Hackl deshalb, als 39-Jähriger, nochmals an die Universität zu gehen und Psychologie zu studieren. Zu seiner Ausbildung zum Therapeuten gehörte auch eine eigene Therapie. «Das war sehr hart für mich, dauerte mehrere Jahre und war sehr intensiv, mit teils mehreren Sitzungen pro Woche», erzählt er. Eine solche Tortur wollte er seinen Klientinnen und Klienten auf jeden Fall ersparen. «Man muss nicht noch einmal an etwas leiden, an dem man schon gelitten hat.» Aus verschiedenen Formen der Kurztherapie kreierte er schliesslich sein eigenes Werkzeug. Doch die ersten Anfänge mit einer eigenen Praxis wollten noch nicht gelingen. So kümmerte er sich wieder vermehrt um seine Baufirma.

«Das erste Mal im Leben machte ich die Erfahrung, das Arbeit glücklich machen kann.»

Doch im fünzigsten Altersjahr erlitt er einen Herzinfarkt und hatte rund zwei Jahre damit zu kämpfen – auch mit Depressionen. «Das Schicksal hatte etwas anderes vor mit mir», sagt Hackl. Schlussendlich kam er heil aus der Krise. Seine Baufirma allerdings nicht, und so verlor er sein ganzes Vermögen. Später nahm er eine Stelle als Leiter für ein Informatikprojekt an, doch die Software war nicht erfolgreich. Das Projekt wurde beendet und Hackl stand ohne Einkommen da. Weil das Geld allmählich ausging, musste auch das gemeinsame Haus aufgegeben werden, und die Familie trennte sich.

Hackl fand gegenüber des Spitals Thalwil eine Wohnung und stellte fest, dass dort verschiedene Krankenzimmer leer standen. Auf Anfrage sagte ihm die Dame an der Rezeption, dass keine Zimmer vermietet würden. Nachdem der Spitaldirektor erfuhr, dass Hackl Psychologe ist, gab er ihm kurzerhand das schönste verfügbare Zimmer zu einem äusserst günstigen Mietpreis. «In diesem Augenblick erkannte ich, dass ich nicht mehr zurück konnte. Das Schicksal lenkte mich förmlich dorthin, endlich als Psychologe zu arbeiten. Und zum ersten Mal machte ich in meinem Leben die Erfahrung, das Arbeit glücklich machen kann», resümiert er, der seine optimistische Lebenshaltung immer bewahren konnte. 

«Eine einfache Methode, um in allen Lebensbereichen seine Berufung zu finden.»

Die schicksalshaften Ereignisse im Leben von Hackl bilden die Grundlage für seine Arbeit: «Studien zeigen, dass rund 80 Prozent der Angestellten, mit dem was sie bei ihrer Arbeit machen müssen, gar nicht glücklich sind», so Hackl. «Sie machen es nur deshalb, weil sie Kinder ernähren, oder die Miete bezahlen müssen, also aufgrund äusserer Zwänge. Aber die Arbeit gefällt ihnen eigentlich nicht wirklich und so entstehen oft Burnouts.»

Als Lösung aus einer solche Sinnkrise bietet Hackl sehr erfolgreich eine Methode namens Passion Test an. «Es ist eine einfache Methode, um in allen Lebensbereichen, vor allem auch im Beruf, die Berufung zu finden, die dem persönlichen Wesen wirklich entspricht.» So könnten eigene Träume und die eigene Bestimmung erkannt und erfolgreich umgesetzt werden. «Glücklich sein im Beruf gelingt», sagt Hackl.

Er hilft seit zwanzig Jahren nicht nur Menschen in unglücklichen Arbeitssituationen, sondern auch Menschen mit Ängsten, Phobien, Depressionen und Schlafstörungen. «Mit einer selbst entwickelten Methode kann ich schnell und effizient Ängste und Traumas, schädliche Verhaltensmuster und oft sogar psychosomatische Störungen auflösen.» In der jetzigen Coronakrise sei es für Menschen mit Phobien und Ängsten sehr wichtig, dass sie diese auflösen. Denn die von früher bestehenden Ängste schaukeln sich mit den aktuellen Ängsten vor COVID-19 gegenseitig auf, erklärt Hackl. Seit 2001 arbeitet er als Psychologe in einer eigenen Praxis, vor Kurzem fand er eine noch schönere und noch grösserer Praxis in Thalwil. Auch sein zweiter Traum, seine zweite Leidenschaft, hat Hackl in sein Leben integriert: die Musik. Als Tenor singt er seit Jahren in zwei Chören. Und das schönste Gefühl für ihn ist, wenn Menschen glücklich seine Praxis verlassen.
 


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