Steuern, Nein Danke!

Der Musiker und Autor Anton Brüschweiler hat ein paar ausserordentliche Tipps, wie man keine Steuern bezahlen muss. Die Samstagskolumne.

Schon bald müssen wir es wieder einreichen, das unbeliebteste Dokument aller Zeiten: die Steuererklärung. Die gute Nachricht: Steuern zahlen muss nicht sein! Ich persönlich habe noch nie einen Rappen bezahlt. Wenn Sie ein paar meiner einfachen Tipps befolgen, werden auch Sie für immer von den Steuern befreit sein.

Das Ganze beginnt bei der richtigen Berufsbezeichnung. Wählen Sie eine Bezeichnung, unter der sich niemand etwas Konkretes vorstellen kann. Ich schreibe zum Beispiel immer „Drahtzieher“ hin. Der Steuererklärung lege ich dann einen Zettel bei, auf den ich schreibe: „Ich habe im letzten Jahr 753 Meter Draht gezogen, aber nur 242 Meter verkauft.“ Wichtig ist hier einfach, dass die beruflichen Aufwendungen den Erlös überschreiten.

Achten Sie in jedem Fall darauf, dass sie unter das Existenzminimum kommen. Nur so ist garantiert, dass Sie schlussendlich vom Staat Geld kriegen, anstatt zu bezahlen, was ja das Ziel der Übung ist. Um die staatliche Unterstützung in Form von Kinderzulagen noch etwas anzukurbeln, liste ich auch immer ca. zwölf Vornamen von Kindern aus der Nachbarschaft auf. Auch wenn die Behörden Verdacht schöpfen würden, wäre es dem Staat zu kostspielig zu beweisen, dass ich nicht der Vater dieser Kinder bin. Es ist ja auch nicht ausgeschlossen, dass ich der leibliche Vater dieser Kinder bin. Als Mann ist es da manchmal recht schwierig, den Überblick zu bewahren.

Ganz dringend rate ich Ihnen davon ab, die Einkünfte aus illegalen Geschäften zu deklarieren. Das wäre ja voll doof, weil die Behörden Ihnen so auf die Schliche kommen könnten. So habe ich weder die Erlöse aus meinen Katzenquälkursen, noch die Gewinne aus dem illegalen Organhandel je angegeben. Beim Organhandel ist die Gewinnmarge in den letzten Jahren sowieso drastisch gesunken: Verdiente ich an einer Leber vor zwanzig Jahren  noch weit über 1000 Franken, so konnte ich letztes Jahr froh sein, noch 350 Franken zu erhalten. Ähnlich krass ist der Preiszerfall bei Nieren und Herzen. Schuld daran sind die Asiaten, die den Markt immer mehr mit Billigware überschwemmen.

Hier noch ein abschliessender Tipp: Erzählen Sie niemandem, dass sie die Steuererklärung frisieren. Ich persönlich behalte solche Dinge immer für mich. Denn es gilt der Grundsatz: „Was niemand weiss, macht niemand heiss!“ Je mehr Leute davon wissen, dass Sie wegen einer getürkten Steuererklärung keine Steuern bezahlen, desto grösser ist auch die Gefahr, dass Sie jemand verpetzt.

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Anton Brüschweiler ist Musiker, Veranstalter von Anlässen mit Geheimtipp-Potenzial (https://www.chäsigysenstein.ch) und Autor des Buches «Das AntWort – die Wahrheit des Absurden», eine Sammlung von lebensrettenden Weisheiten in einer verrückten Welt.

Anton Brüschweiler: Das AntWort – die Wahrheit des Absurden. edition Zeitpunkt, 2018. 106 Seiten, Fr. 19.00.-/€ 17.00.- Geb. Mit Illustrationen von Lukas Machata.
Leseprobe und Bestellung.


Die nächsten Lesungen:
22.9.20 Raum für Literatur, St Gallen, musikalische Umrahmung: Manuel Stahlberger
18.12.20 Literaturcafé Biel, musikalische Umrahmung: Andreas Schaerer