«Unsere Gesellschaft ist bereits in der Psychiatrie»

Der Wiener Psychiater Raphael Bonelli betreibt seit ein paar Wochen einen beliebten Videoblog zu Corona mit aktuell 74’000 Abonnenten - sehr humorvoll und informativ. Nun hat der sich ganz offiziell zum «Corona Panikjäger» entwickelt.

Angstpatienten sind das Thema von Bonellis Videoblog vom 15. April. Angstpatienten überschätzen ganz allgemein die Ursachen einer Angst, verhindern damit eigenes Leben und entwickeln neurotische Tendenzen.

Die Menschen befolgen Vorschriften, die es gar nicht gibt und die auch nichts nützen. Beispiel sind maskentragende Autofahrer oder das weit verbreitete Denunziantentum. (In Österreich soll es schon über 10’000 Anzeigen gegeben, offizielle Zahlen sind allerdings nicht verfügbar.) Die Gesellschaft als Ganzes bezeichnet Bonelli bereits als «schwer neurotisch».

Um Distanz zur Angst zu gewinnen, empfiehlt Dr. Bonelli die Frage der Verhältnismässigkeit zu stellen. In der Tat: Früher oder später werden 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus infiziert werden, die allermeisten ohne Symptome. Ausserhalb der Risikogruppen mit hohem Alter und schweren Vorerkrankungen ist nicht viel mehr als eine Grippe zu erwarten. Konsequenz:

Mit den «Massnahmen» schützen wir uns gar nicht vor dem Virus, sondern versuchen einfach, ihn etwas später zu bekommen, sagt Bonelli. Aber in der Zwischenzeit blockieren wir unser Leben, belasten unsere Beziehungen und führen der Wirtschaft schwerste Schäden zu.

Humor ist die zweite Empfehlung von Bonelli, Distanz zur Angst zu gewinnen. Dabei ist die richtige Dosis gefragt, die natürlich von Mensch zu Mensch variiert. Es gibt Individuen, die Corona-Humor bereits als gesellschaftsschädigend betrachten. (Wer hier an die Zeiten vor 80 Jahren denkt, liegt vermutlich nicht weit daneben). Der Corona-Witz ist der neue Führer-Witz.

 

Youtube-Kanal von Raphael Bonelli

Raphael Bonelli ist Gründer des «Instituts für Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie» mit Sitz in Wien.

 

Über

Christoph Pfluger

Submitted by reto on Do, 07/13/2017 - 08:33

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. "Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen".

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