Eine Amateurfunkerin macht gegen Antennen mobil

Menschen, die auffallen, weil sie anders leben, unbekannte Dinge tun, gegen den Strom schwimmen oder sich für ihre Meinung oder ein Projekt einsetzen. Zeitpunkt porträtiert jeden Donnerstag «Menschen aus dem Leben». Heute steht Rebekka Meier, Präsidentin vom «Verein Schutz vor Strahlung», im Zentrum.

Foto von «Verein Schutz-vor-Strahlung»

Eine junge Frau sitzt in ihrem Uhrenatelier und montiert feine Räderwerke, Federstege und Lagersteine. Das ist die Uhrmacherin Rebekka Meier in ihrer Villa Michel im solothurnischen Grenchen, wo einst ein Uhrenfabrikant wohnte.

Meier ist aber auch lizenzierte Amateurfunkerin und versteht viel von Antennen und Radiowellen. Seit Anfang 2019 macht sie gegen den neuen Mobilfunkstandard 5G mobil. Angefangen hat alles mit zwei Baugesuchen für 5G-Antennen in ihrer Heimatstadt.

«Die Leistung dieser adaptiven Antennen (adaptiv heisst veränderliches Antennendiagramm und damit 5G) wurde von der Swisscom mit nur 50 Watt angegeben, das machte mich stutzig, denn sogar ein Funkamateursender leistet mehr», erklärt Meier dem Zeitpunkt.

Sie hat sich in die komplizierte Materie eingelesen und reichte gegen das Bauvorhaben als einspracheberechtigte Anwohnerin, zusammen mit 93 weiteren Unterzeichner Beschwerde ein: «Seither unterstütze ich Tag für Tag Einsprecher gegen 5G-Antennen in der ganzen Schweiz», erklärt Meier. Der Rekurs wurde vom Verwaltungsgericht Solothurn trotzdem abgewiesen. Grund: Der Kostenvorschuss konnte wegen Corona-Öffnungszeiten der Post erst einen Tag später einbezahlt werden.

«Zahlen und Fakten machen am Schluss den Unterschied, ob 5G wirklich gefährlich ist.»

«Immer mehr Menschen aus vielen Gemeinden suchten bei mir um Rat, deshalb gründete ich den Verein 5G-Moratorium». Meier wurde später Leiterin der Baurechtsabteilung des Vereins «Schutz vor Strahlung» und wurde vor Kurzem zur Präsidentin gewählt. Sie wirbt auch für den Antennenalarm. Damit können Anwohner in Wohngemeinden, in denen ein 5G-Bauvorhaben geplant ist, sich rechtzeitig informieren lassen. So haben sie die Möglichkeit, fristgerecht mit einer Einsprache zu reagieren.

Meier gab zudem zwei rechtliche Gutachten zu adaptiven Antennen in Auftrag und kämpft weiter gegen den neuen Mobilfunkstandard. «Zahlen und Fakten machen am Schluss den Unterschied, ob 5G wirklich gefährlich für die Gesundheit ist ist – und ja, es ist gefährlich», sagte Meier anlässlich der grossen Stopp 5G-Demonstration im vergangenen November. Dort hat sie viele Menschen kennengelernt, mit denen sie vorher nur per Mail oder Telefon Kontakt hatte. Unter anderem durch die fleissige Arbeit von Meier wurden rund 90 Prozent aller Baugesuche für 5G-Antennen mit mehr als 1400 Einsprachen blockiert.

5G-Antennen würden den Vorsorgegrenzwert missachten und Messgeräte gebe es dafür bis heute nicht. Sie macht sich grosse Sorgen um die Gesundheit von über 800'000 Elektrosensiblen in der Schweiz und verlangt von der Bundesregierung ein klares Nein zu einer möglichen Grenzwerterhöhung der Strahlungswerte. Vor Kurzem sendeten der «Verein Schutz vor Strahlung» und zahlreiche weitere Organisationen einen offenen Brief an den Bundesrat. Rebekka Meier befürchtet: «Die Mobilfunkbetreiber wollen eine Grenzwerterhöhung durch die Hintertür durchsetzen, das müssen wir auf jeden Fall verhindern, denn der Bundesrat ist nun in einer Zwickmühle.»

Kürzlich meldete die Boulevardzeitung Blick, dass die zuständige Bundesrätin Simonetta Sommaruga das 5G-Problem mit «adaptiven Antennen» lösen will. Dass es sich dabei um ein und dasselbe handelt, scheint der Bundespräsidentin entgangen zu sein.

Webseite: https://schutz-vor-strahlung.ch/