Die Welt ist zu gross, um sie allein zu retten. Aber sie ist nicht zu gross, um an einem kleinen Ort etwas Wahres zu tun. Dieser Gedanke durchzieht den neuen «Zeitpunkt» mit dem Schwerpunkt «Das Grosse im Kleinen». Er lädt dazu ein, den Blick von Macht und Konflikt auf die unscheinbaren Kräfte zu richten, die unser Leben tragen.
Christoph Pfluger seziert den Grössenwahn der Idee, die Welt retten zu können und deshalb auch zu müssen. Die Aufgabe ist zu gross und sie verstellt den Blick auf das Kleine, das wir tatsächlich realisieren können. Und sie macht uns blind für die Wunder des Alltags.
Christa Dregger antwortet mit Geschichten aus der Natur. Sie entdeckt das Leben in einer Handvoll Erde, das Bienenvolk als Superorganismus und die Macht winziger Duftmoleküle. Der Arzt Pietro Vernazza erklärt mit erfreulicher Bodenhaftung, wie wir unsere unsichtbaren Darmbewohner pflegen – ganz ohne teure Wundermittel.
Besonders berührend sind die Geschichten von Menschen, die einfach angefangen haben. Philip Munyasia pflanzte in einem Slum in Kenia einen winzigen Garten; heute steht dahinter ein Zentrum für ökologische Ausbildung und Friedensarbeit. Margrit Dieterle beantwortete den Hilferuf eines Flüchtlings – daraus entstand in Benin ein Projekt, das Hunderten jungen Menschen Perspektiven eröffnet. Und der Solothurner Urs Riggenbach hilft mit Solarbacköfen vielen Menschen in den Ländern des Südens, sich eine unabhängige Existenz aufzubauen. Hier lässt sich beobachten, wie aus Kleinem etwas entsteht, das zwar nicht gross ist, aber echt und wahr.
Der «Zeitpunkt» wäre allerdings nicht der «Zeitpunkt», würde er die grossen Konflikte ausblenden. Rafael Lutz untersucht in einer zugespitzten Recherche das unheimliche Netzwerk hinter der Annäherung an die Nato. Ralph Bosshard stellt deren unsinnige Übungen zur Bekämpfung von Aufständen in Frage. Hinzu kommen die Risiken der US-Schuldenpolitik.
Gwendolin Kirchhoff plädiert dafür, sich nicht von Angst und Alarmismus lähmen zu lassen, sondern die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was wir tatsächlich gestalten können. Handlungsfähigkeit entsteht durch Selbstachtung, innere Klarheit und die Verbindung zum Guten, Wahren und Schönen – nicht durch den Kampf gegen eine vermeintlich allmächtige Gegenseite.
Dazwischen begegnet man dem Friedenspilger Satish Kumar, einem dänischen Hersteller leuchtender Leinölfarben und Menschen, die ein altes Kloster zu einem lebendigen Ort der Gemeinschaft machen. Der Bogen ist weit – gerade das macht die Lektüre überraschend.
Diese Ausgabe beschönigt die Welt nicht. Aber sie verschiebt unseren Blick: weg von der lähmenden Grösse der Probleme, hin zur schöpferischen Kraft des Einzelnen. Ein Heft zum Staunen, Nachdenken und Weitergeben. Und eines, das man besser nicht zwischen zwei Nachrichtenmeldungen liest, sondern mit etwas Zeit und offenem Herzen.