Der Mann der ersten Stunde geht am 1. August auf den Bundesplatz

Alec Gagneux kennt die Szene der Mahnwachen in den meisten grösseren Städten der Schweiz. Am 1. August kehrt er auf den Bundesplatz zurück und freut sich, wenn weitere Freiheits- und Friedensliebende mit hinstehen.

Zeitpunkt: Alec Gagneux, du hast ja durch die erste Mahnwache am 25. April in Bern gewissermassen die Bewegung für Grundrechte auf der Strasse sichtbar gemacht und ins Rollen gebracht. Bist Du zufrieden mit der Entwicklung?

Alec Gagneux: Nach anfänglich starkem Wachstum und zunehmender Repression der Polizei, haben sich die Mahnwachen zu kleineren dezentralen Festen entwickelt. Man kann hingehen und trifft positiv gestimmte Menschen. Besonders eindrücklich finde ich, wenn die Landeshymne abgespielt (und gesungen) und dabei die Verfassung in die Höhe gehalten wird.

Ein Ritual nach dem Vorbild der SVP?

Keineswegs. Man sieht nebst Schweizer Fahnen zunehmend auch andere Flaggen. Am letzten Wochenende waren auf dem Sechseläutenplatz auch Muslimas mit ihren Landesfarben präsent.

Und die Konflikte mit der Antifa und der Bewegung «black lives matter»?

Ich glaube, die wurden in den sozialen Medien hochgespielt. Die Antifa sollte ja auch für Frieden und Freiheit und gegen neoliberale Diktatur hinstehen. Sie sind also bei uns willkommen. Am 4. Juli waren wir in Zürich zusammen mit Leuten von «black lives matter» auf dem selben Platz, in bester Harmonie: Unsere Verfassung beschreibt das Anliegen von BLM schliesslich auch. Als black lives matter ihre Schweigeminute durchführten, haben wir aus Respekt die Musik abgestellt.

Wie soll es mit den Mahnwachen weitergehen, jetzt wo der Protest gegen den Lockdown wegen der Lockerungen nachgelassen hat?

Ich wünsche mir, dass aus den Mahnwachen eine Friedensbewegung mit politischer Zielsetzung wird.

Ich wünsche mir, dass aus den Mahnwachen eine Friedensbewegung mit politischer Zielsetzung wird. Als nächstes gilt es, die Verlängerung des Notrechts abzuwenden, die vom Parlament wohl leider durchgewunken wird. Ich wünsche mir mehr Friedensfahnen und weniger Schweizer Flaggen, da diese allzu oft missbraucht werden. Zum Beispiel weht über den Hauptgebäuden der UBS und des Nestle-Konzerns – beide ethisch fragwürdig und in weitgehend ausländischem Besitz – die Schweizer Flagge.

Hast du konkrete Pläne?

Am 1. August findet in Berlin eine grosse Demo statt, zu der eine halbe Million Menschen erwartet werden. Ich denke, wir sollten den 1. August erst recht nutzen, und aufzeigen, was 1291 mit dem Rütlischwur gemeint war: Wir sind der Sourverän, nicht 7 Staatsangestellte, die in den letzten Monaten verfassungswidrig (Prof. Andreas Kley) nachhaltigen Schaden angerichtet haben. Ich werde auf jeden Fall um 14.00 Uhr für eine gute Stunde auf dem Bundesplatz sein mit PACE-Fahne, Bundesverfassung und Plakat. Nachher können wir an der Aare und an anderen schönen Orten das Leben feiern. Wir sind nämlich trotz unseres ernsthaften Anliegens eine sehr lebensfrohe Bewegung. Schliesslich lassen wir uns nicht so schnell einschüchtern. Wir haben gelernt, aufRECHT für die direkte Demokratie hinzustehen.

Am 22. und 23. August führst du wieder das Sommer-WEFF in Davos durch. Was ist das Thema dieses Jahr?

Keine Angst vor klaren Worten. Friedliche Umwälzung – zusammen.

Letztes Jahr kamen rund 200 Menschen. Wieviele erwartest du dieses Jahr und wieviele Besucher kann das Sommer-WEFF überhaupt bewältigen?

250 Menschen. Auf weff.ch kann man sich anmelden.

 

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Das Gespräch führte Christoph Pfluger.