«Die Abhängigkeit von Pestiziden beruht auf einer jahrzehntelangen Hirnwäsche»

Im sechsten Teil unserer Pestizid-Serie kommentiert Franziska Herren, Initiantin der Trinkwasser-Initiative, die widersprüchliche Haltung des Bundes. Dieser lehnt zwar beide Agrarinitiativen strikt ab, betreibt aber einen nicht unbeachtlichen Aufwand, um neue Trinkwasserquellen zu erschliessen – weil die bestehenden teilweise erheblich mit Pestiziden belastet sind.

Die Schweiz muss neue Quellen erschliessen, um an sauberes Trinkwasser zu kommen. / © Pixabay

Anfang Mai wurde bekannt, dass der Bund mit «einem bisher unbekannten Pilotprojekt» in Bern und Solothurn nach neuen Trinkwasserquellen sucht. Laut einem Bericht des Schweizer Fernsehens ist einer der Hauptgründe dafür die zunehmende Belastung des Grundwassers durch Pestizide – wobei «Belastung» nichts Anderes bedeutet als Vergiftung.

Das Mittelland ist besonders stark betroffen von der Pestizid-Krise – fast in allen Trinkwasserfassungen findet man Rückstände von Chlorothalonil, zum Teil wird der erlaubte Höchstwert um ein Mehrfaches überschritten. In mindestens zwölf Kantonen dürften die entsprechenden Grenzwerte überschritten werden. In Bern ist die Trinkwasserversorgung von 178'000 Menschen betroffen, in Solothurn sind es 160'000 und in Schaffhausen 20'000. Gesamtschweizerisch trinken über eine Million Menschen Wasser, dessen Pestizidbelastung die Grenzwerte überschreitet.

Auch die Berner Gemeinde Köniz hat mit Chlorothalonil-Problemen zu kämpfen: In drei von vier Wasserfassungen und zwei Wasserreservoirs wird der zulässige Höchstwert überschritten, und zwar zum Teil deutlich, wie der Bund Ende April berichtete. Die Quellwasserfassung Gummersloch habe die Gemeinde aus diesem Grund vom Netz genommen, und die Quellwasserfassung Margel werde mit Aaregrundwasser verdünnt. Angesichts dessen, dass der Bundesrat die Ablehnung der Trinkwasser-Initiative und der Pestizid-Initiative empfiehlt und stets betont, dass die aktuellen Werte nicht gesundheitsschädlich seien, mutet dies alles ziemlich eigenartig an – um nicht zu sagen alarmierend.

Der grosse Aufwand, der für die Suche nach neuen Wasserquellen betrieben wird, schürt noch die Zweifel daran, dass die Wasserqualität tatsächlich so unbedenklich ist, wie dies behauptet wird. Mit den heutigen Möglichkeiten könne das Problem nicht gelöst werden, schrieb das Solothurner Amt für Umwelt gemäss SRF im Januar. Es brauche neue Wasserleitungen, neue Wasserfassungen oder sogar Wasseraufbereitungsanlagen. Dies sei aber enorm teuer und nicht rasch zu realisieren. Die Suche nach Lösungen sei sehr anspruchsvoll, weil nach wie vor viele Bauern Pestizide einsetzten. So will der Bund in seinem Pilotprojekt auch auf Wasservorkommen aus Kalkgesteinsschichten im Jura zurückgreifen, wo es «kaum menschliche Einflüsse» gibt.

«Die Haltung des Bundes ist so absurd, dass es mir manchmal fast die Sprache verschlägt», sagt die Initiantin der Trinkwasser-Initiative, Franziska Herren. «Wir bohren nach frischem Wasser, statt über einen Systemwechsel nachzudenken, der der Vergiftung unserer Ressourcen einen Riegel vorschieben würde. Doch die jahrzehntelange Hirnwäsche wirkt immer noch, und nicht nur Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch viele Bäuerinnen und Bauern sind davon überzeugt, dass wir uns ohne Pestizide nicht ernähren können.» Wie damals beim Atomstrom: 40 Jahre lang wurde gedroht, dass ohne das Kraftwerk Mühleberg das Licht ausgehen würde, doch selbstverständlich ist das Gegenteil passiert. Heute investiert man ernsthaft in Alternativen. Dies wäre auch in der Landwirtschaft bitter nötig – und realistisch, wie Herren betont: «Internationale Studien zeigen, dass sich mit ökologischen Mischkulturen und moderner Technik höhere Erträge erzielen lassen als mit pestizidabhängigen Monokulturen.»

Doch dem Bund liegt offenbar mehr an der Förderung der Wirtschaft und an der Unterstützung der grossen Konzerne, welche Pestizide und andere Agrarchemikalien herstellen und damit einen Haufen Geld verdienen. Und so werden die Ängste der Stimmbevölkerung geschürt, dass mit einer Annahme der beiden Initiativen die Ernährungssicherheit der Schweiz in Gefahr wäre und mehr importiert werden müsste. Allerdings landet in der Schweiz ein Drittel aller Lebensmittel im Food Waste. «Würden wir dies reduzieren, wären wir schon heute viel weniger vom Ausland abhängig», betont Herren. «Ich bin jedenfalls gespannt, was am 13. Juni höher gewichtet wird: unsere Gesundheit oder der Einsatz von giftigen Pestiziden.»

 

In dieser Serie bereits erschienen:

Wir wissen nicht, was wir essen
Der Einsatz von giftigen Substanzen geht mir emotional gegen den Strich
In Zukunft wird man kopfschüttelnd zurückblicken
Der Mensch als Pestizid-Endlager
Kinder spielen mit leeren Giftkanistern

 

Kommentare

Nein.......

von Walter Roth
  Also ich bin auf dem Bauernhof aufgewachsen. Man sollte sich vergegenwärtigen was Pestizidverbote bedeuten. Ein Biobauer benötigt bei Getreide für die selben 100% Ertrag, 40% mehr Fläche, ein Weinbauer sogar 100% mehr Boden. Wo hernehmen und nicht stehlen, wenn wir jedes Jahr 70ooo Personen netto einwandern lassen ? Schweizer Bauern brauchen zudem ein Schweizer Einkommen. Pestizidverbote aber bedeuten mehr Arbeit, weniger Ertrag.... also genau darauf mehr Druck wo er eh schon sehr stark ist. Faktisch werden sie mit der Pestizid-Initiative zu Biobauern, was vielleicht der tiefere Sinn im Hintergrund ist. Pestizide, also ich bin jetzt zwar kein Bauer, verwende aber Glyphosat aus Überzeugung. Vor 10 Jahren bin ich umgestiegen, es kamen ja ständig negative Aussagen zum Thema Glyphosate. Ich nahm also ein Kupfer-Biozid, ...und erstaunlicherweise war das viel radikaler. Glyphos tötet die Pflanzen ab deren Blätter damit in Berührung kommen, danach wächst alles wieder normal. Beim Biozide hielt das 1 Jahr an, das ging in den Boden.... da war nichts mehr. Übrigens, auch ein Fliegenpilz ist giftig, obwohl Bio. Nur weil etwas Bio ist, ist es nicht per seh weniger gefährlich. Eines steht fest, ohne Pestizide, Fungizide usw. werden wir die Schweizer Bevölkerung noch weniger ernähren können wie bis anhin eh schon. Hungersnöte wirds keine geben, es kommt Ersatz aus dem Ausland.... der allerdings oft weniger Qualitätsvoll ist und unter Bedingungen produziert wird, die unseren noch weit weniger entsprechen. Hunger kannte die Schweiz übrigens noch, als der Ausbruch des Tambora in Indonesien aus dem Sommer 1816 einen Winter machte und 1817 eine schwere Hungersnot folgte. In Irland 1845 bis 1849 gabs auch eine schwere Hungersnot der sehr viele Iren zum Opfer fielen. Es war die Kartoffelfäule, ein Pilz der mit einem Fungizid hätte bekämpft werden können, aber das gabs damals noch nicht. In den 1860-70erjahren hätten wir abermals Millionen verloren, aber damals hatte man bereits ein Pestizid und wurden gerettet. Mit Bio wäre das niemals und vor allem nie rechtzeitig, möglich gewesen. ----------------------------------------------------- Das Einkommen der Bauern........ Nun bei dem Thema mäkeln die Linken ja sehr gerne. In den 60igern fingen die Gemeinden an Zonenpläne zu machen. Damit und mit dem aufkommenden Bäuerlichen Land und Erbrecht entzog man das Landwirtschaftsland der Spekulation..... im Gegenzug enteignete die Bauern damit aber auch. Aus "Millionären" wurden Subventionsempfänger. Man "schützte" die Bauern damit quasi ........und nahm ihnen ihr Vermögen per Gesetz aus der Hand, oder soll ich sagen, man angelte sie auf ihrem Land fest.  In den 70igern fing man an ihnen Subventionen auszurichten....... recht eigentlich sind das also Entschädigungen für dese Enteignung,  keinesfalls bloss Almosen des Steuerzahlers. Natürlich, viele Bauern hätten sich den Druck der billigeren Produkte aus der EG entzogen und verkauft. Den Markt schützen, das wollen Linke ja auch nicht, es widerstrebt eurem Globalismus. Also sooo einfach wie ihr euch das vorstellt, ist es nicht..... für die Welt war die Erfindung von Pflanzenschutzmittel  so wichtig wie die Erfindung des Ackerbaues an sich.  

Schadstoffmessungen.....

von Walter Roth
Man hat übrigens in den letzten 50 Jahren beim Thema Analyse gewaltige Fortschritte gemacht. Heute ist Wasser in der Schweiz so sauber wie immer, aber man findet im Gegenzug kleinste Spuren bei der Analyse, die sich extrem verbessert hat. Die Überdüngung kleiner Seen im Mittelland, de kann man auch vor Ort mit Massnahmen begegnen, dazu sollte man nicht die ganze Schweiz in einen Topf werfen. Natürlich müssen wir für unser Wasser sorge tragen, denn die Bevölkerung steigt immer weiter an......... aber dabei wird keine Ursache zum Problem erkannt. Der Bodensee, denn kenne ich sehr gut, auch unter Wasser. Er ist heute viel sauberer wie vor 30 Jahren, aber er hat auch viel weniger Fische wie damals. Weniger Fische ??? ..... die haben etwas mehr Dünger im Wasser wohl gar nicht so ungern..... denn sie waren vorher ja viel zahlreicher. Natürlich fand man auch viele Missbildungen, gewisse Stoffe sollten nicht ins Wasser da sind wir uns einig. Probleme wie jenes des  Amerikanischen Krebses, der vor 25 Jahren den einheimischen Süsswasserkrebs innert weniger Jahre verdrängte.... sind auch noch ungelöst, ganz ohne Pestizide. In den 90-igern gab es Schwärme von Drachsmen die in die tausende gingen....... später sah ich sowas nie wieder..... obwohl der See nun sauberer ist.